20 Jahre orf.at: Newsquelle für jeden zweiten Österreicher

Am 24. Juli 1997 wurde das Nachrichtenportal orf.at gegründet. An dessen Kernkompetenzen will man weiterhin festhalten, Änderungen gibt es im Kleinen.

Erschienen in HORIZONT 27-28/17

Seit fast zwei Jahrzehnten schon hält orf.at, das am 24. Juli 1997 aus der Taufe gehoben wurde, seine Stellung als meistbesuchtes Nachrichtenportal. Mit 3.114.000 Unique Usern pro Monat – das entspricht einer Reichweite von 49,5 Prozent – ist orf.at das meistgenutzte redaktionelle Einzelangebot Österreichs (ÖWA Plus 2017-I). Das orf.at-Network, das 3.267.000 Unique User pro Monat und damit eine Reichweite von 51,9 Prozent hat, besteht neben orf.at auch aus den Portalen für die Radioflotte und der TVthek. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens blickt Geschäftsführer Karl Pachner auf das Gründungsjahr 1997 zurück, bezeichnet einzelne den Onlinebereich betreffende Passagen des ORF-Gesetzes als „Groteske“ und übt Kritik an der im ORF-Gesetz vorgesehenen Auftragsvorprüfung, die „große Würfe“ im Onlinebereich verhindern würde.

„Die Grundüberlegung war damals, so etwas ähnliches wie eine Nachrichtenagentur für Menschen zu machen, die keinen Zugang zu einer Nachrichtenagentur haben“, erzählt Karl Pachner. Gründungsvater der Nachrichtenportals ist Franz Manola, Pachner selbst kam erst 1999 als Leiter Business Development in die Kaufmännische Direktion des ORF, 2003 wurde er zum Hauptabteilungsleiter Operations in der Direktion für Online und neue Medien bestellt. 2007 hat er dann die Funktion des ORF ON-Chefs übernommen und löste in dieser Funktion Manola nach zehn Jahren ab. Ehe erste Nachrichtenportale gegründet wurden, habe es nämlich „vor allem auf der Zeitachse eine Differenz zwischen dem, was bestimmte Personenkreise wie Journalisten, Politiker und Wirtschaftstreibende an Informationen bekommen haben und dem, was das Publikum an Informationen bekommen hat“ gegeben. Heute bezeichnet Pachner diese Grundüberlegung als „eine Form von Revolution, weil da eben eine sehr kurze Frist zwischen dem Aufkommen und dem Publizieren eines Themas möglich geworden ist“.

Das Nachrichtenportal wird seit der Gründung von der ORF Online und Teletext GmbH & Co KG, einer Tochtergesellschaft des ORF, betrieben. Anfangs war ein Kernteam von acht Personen involviert, mittlerweile ist das Unternehmen auf 160 Mitarbeiter angewachsen. Für die Produktion von Onlineinhalten war von Beginn an eine eigene Redaktion verantwortlich. Bei anderen Medien sei dies laut Pachner nicht der Fall gewesen, „die haben entweder das, was aus der Zeitung gekommen ist, oder Audios, Bilder und Videos, die bereits ausgestrahlt worden sind, hineingestellt“.

Einschnitte für orf.at

Ein wenig erfreuliches und gleichzeitig prägendes Jahr für ORF ON war das Jahr 2010: Durch die Novellierung des ORF-Gesetzes, das am 1. Oktober in Kraft trat, wurde das Angebot von orf.at stark beschnitten. Dass etwa festgeschrieben wurde, wie viele Meldungen regional auf den Bundesländerseiten von orf.at pro Woche erscheinen dürfen – nämlich 80 Meldungen – sei „einfach beispiellos, das muss ich wirklich sagen“, kommentiert Pachner das immer noch gültige ORF-Gesetz heute. Auch rückblickend bezeichnet er diese Regelung als „eine Groteske“ und „einen massiven Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit“, räumt allerdings auch ein, dass man mit dieser Regelung „zu leben gelernt“ habe.

Viel schmerzhafter sei hier schon das Einstellen der Foren unter den Bundesländerseiten gewesen, „das war deswegen ein Problem, weil sich da viel an Rückkommunikation abgespielt“ habe. Foren dürfen seither nur mehr sendungsbegleitend geöffnet und auf debatte.orf.at geführt werden, mehr als zwölf parallele Foren sind nicht erlaubt. Zudem sah der Gesetzesentwurf damals vor, dass die Online-Werbeeinnahmen ab Inkrafttreten des Gesetzes zunächst auf drei Prozent beschränkt werden, ab 2013 sollen es vier Prozent werden und ab 2016 fünf Prozent.

Anpassung der „blauen Seite“

Pläne und Überlegungen, wie ORF ON in Zukunft aussehen könnte, gebe es viele. Ein Teil davon würde aber „gleich wieder in der Schublade verschwinden, weil wir große Würfe von komplett neuen Dingen faktisch nicht machen können“ sagt Pachner und übt in diesem Zusammenhang Kritik an der im ORF-Gesetz vorgesehenen Auftragsvorprüfung. Im Rahmen dieser können Marktteilnehmer, die sich von neuen Angeboten des Öffentlich-Rechtlichen als betroffen betrachten, Stellung nehmen. Erst danach kann der ORF laut Gesetz bei der Medienbehörde KommAustria die Genehmigung eines neuen Angebots beantragen.

Als Beispiel nennt Pachner etwa die Einrichtung einer Radiothek, damit Radioinhalte des ORF im Internet abgerufen werden können. Den Angebotsantrag dazu hat der ORF bereits 2014 eingebracht, 2015 gab es dann grünes Licht der KommAustria, dagegen hat die Bundeswettbewerbsbehörde allerdings Rechtsmittel ergriffen, seither verzögert sich der Start. „Seit Jahren wird das blockiert“, übt Pachner Kritik und fragt sich, was „unsittlich“ dabei sei, „wenn der ORF ein Angebot hat, das Radioinhalte leicht verfügbar macht“.

Änderungen im Kleinen gebe es aber laufend, um Angebote „zu optimieren und zu verbessern“. Im Verlauf des Jahres werde man etwa „die berühmte ‚blaue Seite‘ noch effizienter, schneller und nutzerfreundlicher machen“, so Pachner. Bereits am 20. Juli werde es diesbezüglich „noch eine kleine Überraschung knapp vor dem Geburtstag geben“ – Details dazu wollte der ORF-ON-Chef nicht bekanntgeben. An den Kernkompetenzen wolle man „natürlich nicht herumdrehen“, diese sollten „so bleiben, wie sie sind“. Abschließend sagt Pachner, dass man „daran gemessen, was wir mit den vorhandenen Budgets leisten können, ziemlich gut aufgestellt“ sei, „wir sind schnell, wir sind seriös, wir sind zuverlässig“ und das sei einem Team, das „zu den schlagkräftigsten Truppen im gesamten Konzern“ gehöre, zu verdanken.

Horizontale LinieFoto: orf.at
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