„4STARS“: Neue Unit vermarktet Talente

Die ProSiebenSat.1 PULS 4-Gruppe will mit Web-und TV-Stars noch heuer knapp siebenstellige Umsätze erzielen. HORIZONT hat vorab exklusive Einblicke.

Erschienen in HORIZONT 01-02/17

Nach 4SPORTS, einer Unit zur Vermarktung von Sportrechten und Sportstars, kommt jetzt also 4STARS. Die ProSiebenSat. 1 PULS 4-Gruppe eröffnet damit ein neues Geschäftsfeld und startet in der Talentevermarktung. Was die Unit von anderen Talentevermarktern unterscheidet, warum man hier ein Millionengeschäft wittert und wieso die Vermarktung von Moderatoren im News-Bereich ausgeschlossen ist, erläutert Michael Stix, Geschäftsführung ProSiebenSat.1 PULS 4, gegenüber HORIZONT.

In dieser neu geschaffenen Einheit sind sämtliche Agenden der Talentevermarktung gebündelt. „4STARS als neuer Vermarkter deckt ein Geschäftsfeld ab, das eine Ergänzung zu unseren klassischen Vermarktungsfeldern darstellen wird. Wir nehmen Stars aus den unterschiedlichsten Bereichen – internationale, aber vor allem nationale und lokale – unter Vertrag und vereinen diese unter einem Management-Dach“, so Stix.

Talentevermarkter ist man hierzulande nicht der erste, gründete Werber Rudi Kobza mit der ehemaligen RTL-II-Nachrichtenfrau Sandra Thier im Frühjahr 2015 die diego5 studios, ein Multi-Channel-Network, das sich auf die Vermarktung von YouTubern spezialisiert hat. Im Herbst 2015 zog dann auch die ProSiebenSat.1 PULS 4- Gruppe nach und gründete mit Studio71 Vienna ebenso ein Multi-Channel-Network, das sich der Vermarktung österreichischer Influencer verschrieben hat. Mit 4STARS ist sich Geschäftsführer Stix dennoch sicher, eine Marktlücke gefunden zu haben: „Mir ist im deutschsprachigen Raum nicht bekannt, dass es diese Form der Talentevermarktung gibt. Wenn man sich ansieht, wie Stars in Österreich vermarktet werden, stellt sich heraus, dass dies sehr fragmentiert geschieht – viele Webstars, Moderatoren und Schauspieler managen sich selbst oder sind Teil eines kleinen Vermarktungspools.“ Was 4STARS von anderen Talentevermarktern unterscheidet: Die Vermarktung erstreckt sich von Webstars und Influencern über Moderatoren bis hin zu Schauspielern – bündelt also aufstrebende Webstars und klassische Moderatoren in einer Unit.

Individuelle 360-Grad-Lösungen

Geht es nach Stix, scheint man mit 4STARS aber nicht nur eine Marktlücke, sondern auch eine Goldgrube gefunden zu haben. Bereits jetzt äußerst er erste Einschätzungen, was das Potenzial von Talentevermarktung in Österreich betrifft: „Wir gehen davon aus, dass wir 2017 knapp siebenstellige Umsätze mit diesem Geschäftsfeld machen werden.“ Eine mutige Prognose für ein nahezu unbeackertes Feld. Die Gebiete, in denen Stars künftig zum Einsatz kommen, erstrecken sich konkret von Branded Entertainment und der Promotion von Produktlinien über Channel Management und Dreharbeiten im Zuge von Advertorials oder Werbespots bis hin zu Meet & Greets sowie Testimonialdeals. Auch die Eventmoderation und die Content-Produktion in Form von Videoinhalten auf Social-Media-Plattformen und YouTube-Channels stehen auf der Agenda. „4STARS bietet individuelle 360-Grad-Lösungen und soll so die Brücke zwischen dem Kunden und dem Star schlagen, damit der Kunde für jedes Vorhaben das passende ‚Face‘ findet, um so authentisch und zielgruppengerecht zu werben“, sagt Vermarktungsleiterin Denise Krautz, die direkt an Stix berichtet. Die Leitung von 4STARS hat Caroline Klinger, Projektleiterin des Multi-Channel-Networks Studio71 Vienna, inne.

Erste Kunden wie L’Oréal habe man bereits von 4STARS überzeugen können. So hat der Kosmetikhersteller ein Talentekonzept gebucht, das von Moderatoren über Deals mit Webstars und Bloggern bis hin zur Präsenz am Point of Sale (POS) und der Content-Produktion reicht. Neben der Ansprache von Direktkunden wird der Fokus auch auf Kooperationen mit Kreativ-, PR- sowie Mediaagenturen liegen. „Es gibt den Direktkundenkontakt, den wir intensiv pflegen und als sehr wichtig erachten. Gleichzeitig führen wir aber auch Gespräche mit Agenturen, welche die unterschiedlichsten Budgettöpfe ihrer Kunden zur Verfügung haben. Für mich persönlich haben Agenturen ebenso einen hohen Stellenwert und sind gerade in der österreichischen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken“, so Krautz. Zusätzlich werde man auch versuchen, Deals des Multi-Channel-Networks Studio71 in Deutschland auf den österreichischen Markt zu holen.

News-Bereich: rechtliche Grenzen

Ebenso aufs Tapet gebracht wurden die gesetzlichen Grenzen in der Vermarktung. „Unsere Moderatoren aus dem News-Bereich werden vom Talent Management betreut, aber nicht vermarktet, hier gibt es rechtliche Einschränkungen“, so Stix. Für die Vermarktung infrage kommen insbesondere Moderatoren aus dem Entertainment-Bereich. Bei jenen Moderatoren, die unter Vertrag stehen, kommen auch alle Kanäle zur Vermarktung infrage. „Bei Moderatoren aus dem Entertainment-Bereich wie zum Beispiel Bianca Schwarzjirg, Silvia Schneider und Chris Stephan, die große Social-Media-Reichweiten haben, setzen wir regelmäßig sehr erfolgreiche Social-Media-Kampagnen um“, so Stix. Doch auch hier gilt: Die Social-Media-Profile von Moderatoren, die nicht unter Vertrag stehen und aus dem News-Bereich kommen, sind und bleiben unantastbar.

Im Öffentlich-Rechtlichen sieht die Lage ähnlich aus: Eine Vermarktung der Social-Media-Profile von Moderatoren und Redakteuren des ORF wäre undenkbar. Vor wenigen Jahren ging der damalige ÖVP-Klubobmann und Mediensprecher Karlheinz Kopf sogar noch einen Schritt weiter und legte den Vorschlag auf den Tisch, die dem ORF gesetzlich vorgeschriebene “Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung„ auch auf private Social-Media-Profile von Moderatoren und Redakteuren des ORF auszudehnen. Doch zurück zu ProSiebenSat.1 PULS 4: Den Großteil der vermarktungsrelevanten Stars würden aber ohnehin nicht die klassischen Moderatoren, sondern die aufstrebenden Webstars bilden, sind sich Stix und Krautz unisono einig.

Horizontale LinieFoto: Bernhard Eder
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