7.000 Neuabonnenten für Kleine Zeitung +

Vor drei Monaten ging das Freemium-Modell in Echtbetrieb. Eine Zwischenbilanz.

Erschienen in HORIZONT 03/17

Im Westen des Landes ist der digitale Verkauf von Premiumcontent schon lange kein Neuland mehr. Nach den Vorarlberger Nachrichten und den Salzburger Nachrichten ist vor wenigen Monaten auch die Kleine Zeitung aus dem Süden nachgezogen und hat mit Kleine Zeitung + ein digitales Abomodell eingeführt. Konkret handelt es sich hierbei um ein Freemium-Modell: einige Inhalte sind frei verfügbar, andere, besonders exklusive Inhalte, sind nur gegen Bezahlung zugänglich. Thomas Spann, Geschäftsführer der Kleinen Zeitung, zieht gegenüber HORIZONT erste Bilanz.

Um die User an Kleine Zeitung + heranzuführen, hat man sich für ein mehrstufiges Modell entschieden. Bis Ende September konnten sich User optional registrieren, danach war eine einmalige und unverbindliche Registrierung notwendig, um +Inhalte und +Services weiterhin kostenlos nutzen zu können. Ab November waren +Inhalte und +Services nur mehr für zahlende Abonnenten verfügbar.

Das + kennzeichnet exklusive und regionale Inhalte, Hintergrundinformationen, Meinungen und Kommentare. Obwohl also ein Kriterienkatalog regelt, was +Inhalte sind und was nicht, werde dies laut Spann in der Praxis „höchst individuell“ entschieden. „Wir wenden diesen Kriterienkatalog nicht nur knochentrocken an. Manche +Inhalte liefern wir auch punktuell gratis aus, um einen Appetizer oder Köder auszuwerfen und den Nicht-Abonnenten zu zeigen, was wir alles zu bieten haben.“

75 Prozent sind Kombiabonnenten

Insgesamt kam es zu über 100.000 Neuregistrierungen, davon konnte man 14.000 User als Tester von Kleine Zeitung + umwandeln und wiederum davon 7.000 User als zahlende Abonnenten gewinnen. Zählt man die 11.000 E-Paper-Abonnenten dazu, die mit Einführung von Kleine Zeitung + ebenfalls zu Abonnenten des digitalen Abomodells wurden, hält die Kleine Zeitung derzeit bei insgesamt 18.000 zahlenden Digitalabonnenten. Von diesen 18.000 sind rund 25 Prozent ausschließlich Digitalabonnenten, und 75 Prozent nutzen das digitale Abomodell in Kombination mit dem Printabonnement. „Unser Ziel ist es, mit Ende des Jahres 2017 auf 20.000 Abonnenten zu wachsen“, sagt Spann.

Rückgänge beim Traffic

Einziger Wermutstropfen: Wer Premiumcontent anbietet, muss mit Rückgängen beim Traffic rechnen. Erste Erfahrungen hätten allerdings gezeigt, dass es in puncto Traffic zu keinen massiven Einbrüchen gekommen ist. Laut den ÖWA-Zahlen hatte kleinezeitung.at im vierten Quartal 2015 2.270.433 Unique Clients, im vierten Quartal 2016 waren es dann 1.702.134 Unique Clients. „Es war klar, dass nach der Einführung von Paid Content der Traffic in einer ersten Phase zurückgeht. Der Rückgang von minus 16 Prozent im Vergleich zwischen dem zweiten Halbjahr 2016 und dem zweiten Halbjahr 2015 fiel jedoch wesentlich geringer aus, Skeptiker hatten uns eine Halbierung des Traffics prognostiziert.“ Derzeit habe man zwar durch den gesunkenen Traffic Rückgänge beim Werbemarktgeld zu verbuchen, könne diese aber durch Lesermarkterlöse ausgleichen. Laut Berechnungen sollen im Jahr 2017 25 Prozent des Gesamtumsatzes aus dem Onlinegeschäft aus dem Abogeschäft generiert werden. „Die Mehrerlöse der digitalen Abos kompensieren im ersten Jahr noch die durch Traffic-bedingten Rückgänge der digitalen Werbeerlöse. In den nächsten Jahren gehen wir aber von einem klar positiven Saldo aus.“

Keine Euphorie, aber Zuversicht

Der Geschäftsführer zieht erstmals Bilanz: „Unsere Bilanz nach drei Monaten Echtbetrieb ist erfreulich und positiv. Die ersten Etappen haben wir gut und solide absolviert. Wir lernen aber jeden Tag dazu und wissen, dass wir 2017 weiter nachlegen müssen. Wir sind realistisch und zuversichtlich gestimmt“, schließt Spann.

Horizontale LinieFoto: ballguide Fotoservice
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