Demo für eine bessere Welt

„FridaysForFuture“ – so lautete das Motto Tausender junger Menschen, die gestern für mehr Klimaschutz auf die Straße gingen. In sieben Landeshauptstädten riefen sie die Politik auf, Maßnahmen zu setzen.

Erschienen in der Kronen Zeitung am 16/03/19

Dürre, Hitze, Waldbrände, Schneechaos und Stürme – die Auswirkungen der Klimakrise werden durch extreme Wetterphänomene von Jahr zur Jahr spürbarer. Um die Politik wachzurütteln und zum Handeln aufzufordern, gingen gestern Tausende junge Menschen in sieben Landeshauptstädten – Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Bregenz und Klagenfurt – auf die Straße. Die größte Veranstaltung fand in Wien statt – während die Polizei 10.500 Teilnehmer zählte, sprachen die Veranstalter von 25.000. Von fünf Treffpunkten aus marschierten sie in Richtung Heldenplatz, wo die Großkundgebung stattgefunden hat. Die „Krone“ mischte sich unter die zahlreichen Schüler und nahm am Demozug vom Karlsplatz aus teil.

Transparente zücken statt Schulbank drücken

Viele hatten Kartonschilder und Plakate mit unterschiedlichen Aufschriften mitgebracht. Darunter: „Es gibt keinen Planet B“, „Klimapolitik: Können wir das schaffen? Yo, wir schaffen das!“ und „Blümchenduft statt Benzinluft“. Drei Schülerinnen aus dem Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse äußerten gegenüber der „Krone“ ihre Wünsche an die Politik: Maßnahmen gegen Plastik, Ausstieg aus Kohle und Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Doch nicht nur in Österreich, sondern weltweit kam es gestern zu Protesten. Ihren Anfang nahmen diese bei der schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Während der Dürre und Hitzewelle im vergangenen Sommer stellte sie sich mit dem Schild „Schulstreik für das Klima“ vor den schwedischen Reichstag. Bald schon fand sie Nachahmer. Zuerst in Belgien, Frankreich, Dänemark und Finnland und mittlerweile in über 90 Ländern weltweit.

Schwarzenegger holt Schülerin nach Wien

Weltweite Aufmerksamkeit erregte Thunbergs Ansprache auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz. Diese Woche wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert, am 28. Mai wird sie zum R20 Austrian World Summit nach Wien kommen. Gründer Arnold Schwarzenegger persönlich hatte Thunberg via Twitter zu seinem Summit eingeladen. Ihre Antwort: „Zähl auf mich. Hasta la vista baby!“

Unterstützung von allen Seiten

Wer für einen guten Zweck die Schule schwänzt, bekommt Lob von fast allen Seiten. So geschehen gestern, als österreichweit zahlreiche Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße gingen statt die Schulbank zu drücken.

Lobende Worte fand Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Ihr jungen Leute gebt mir Hoffnung“, schrieb er auf Twitter. Auch Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), die am Montag die Organisatoren der Demonstrationen treffen wird, äußerte sich wohlwollend: „Hier erhebt eine Generation ihre Stimme, für die der Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen essenziell ist.“ Solidarisch zeigten sich auch alle Oppositionsparteien sowie zahlreiche Umweltorganisationen und die Caritas.

Einzig Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) war nicht ganz glücklich mit den während der Unterrichtszeit stattfindenden Demos – er hätte diese gerne nach Schulschluss gesehen. Ein Streikrecht für Schüler gibt es nicht. Nach aktueller Rechtslage entscheiden die Bildungsdirektionen, wann Schüler dem Unterricht fernbleiben dürfen – und entschieden wird von Bundesland zu Bundesland völlig unterschiedlich.

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Bild: APA/Georg Hochmuth
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