Die Filmbranche in Szene

Wachsende Ansprüche und kleiner werdende Budgets machen heimischen Filmproduzenten zu schaffen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Erschienen in HORIZONT 21/16

Die Filmbranche in Szene

Die österreichische Filmbranche konnte in der Vergangenheit Erfolge einfahren: Dazu zählen zwei Oscars für Christoph Waltz („Django Unchained“ und „Inglourious Basterds“), zwei Goldene Palmen für Michael Haneke („Das weiße Band“ und „Amour“) und ein Oscar für Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“). Zudem hat sich die Alpenrepublik in den letzten Jahren auch als internationaler Filmstandort etabliert: Anfang des Vorjahres war „James Bond“ Daniel Craig im Lande, um den Bond-Streifen „Spectre“ zu drehen. Nur ein halbes Jahr später feierte der Blockbuster „Mission: Impossible – Rogue Nation“ in der Wiener Staatsoper Weltpremiere.

Das alles klingt sehr ruhmreich, doch wie sieht es hinter den Kulissen von Filmproduzenten aus? Executive Producer Dieter Klein (PPM Filmproductions), Executive Producer Wolfgang Ramml (Filmhaus Wien) und Gründer Anthony F. Guedes (Film Factory) geben Einblicke in ihren Alltag.

Preisdumping bereitet Sorgen

Der Filmstandort Österreich und österreichische Produktionen haben in den letzten Jahren international an Bedeutung gewonnen und sollen auch in den kommenden Jahren noch stärker gefördert werden. Im aktuellen Regierungsprogramm steht festgeschrieben, dass der Filmstandort Österreich ausgebaut werden soll und die Mittel des Fernsehfonds Austria angehoben werden. Bisher ist der Fonds mit 13,5 Millionen Euro jährlich dotiert. Insgesamt werden von der öffentlichen Hand mehr als 60 Millionen Euro in den Filmstandort Österreich investiert. Deutlich mehr als ein Drittel davon wird vom Bundeskanzleramt und dem Österreichischem Filminstitut (ÖFI) in das heimische Filmwesen investiert. Neben der gesetzlichen Fixierung des Film-Fernsehabkommens mit acht Millionen Euro, der Ausweitung der Stipendien für junge Filmschaffende, der Unterstützung für Programmkinos in der Höhe von 450.000 Euro und der Verbreitungsförderung von 300.000 Euro wurde 2016 auch die für die Filmbranche wichtige Urheberrechtsnovelle umgesetzt. Zusätzlich ist es gelungen, mit dem ORF ein Abkommen zu beschließen, das sicherstellen soll, dass in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro in heimische Film- und Fernsehproduktionen fließen. Doch wie steht der Filmstandort Österreich eigentlich aus Sicht der heimischen Filmproduktionsunternehmen da? „Ehrlicherweise sehr schlecht. Es gibt keine Studios, um größere Produktionen abzuwickeln, Österreich ist im Preisvergleich mit sämtlichen Nachbarländern aus dem ehemaligen Osten viel zu teuer. Und die Bürokratie für Drehgenehmigungen lassen uns nicht flexibel genug sein“, kritisiert Dieter Klein. Die Problematik mit den Nachbarländern kann Anthony F. Guedes nur bestätigen: „Nachbarstaaten wie Ungarn haben uns in den letzten Jahren überholt, weil sie oft besseres Service als Österreich bieten, wie zum Beispiel Studiokapazitäten.“

Und wie ist es um die eigene wirtschaftliche Lage bestellt? „In allgemeiner Betrachtungsweise gut“, sagt Wolfgang Ramml, allerdings baue der Filmmarkt insgesamt in jeder Hinsicht massiv ab. Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte hätte es laut Anthony F. Guedes finanziell starke Schwankungen gegeben, der Grund dafür: „Es tauchten immer neue Unternehmen auf, die in Mode kamen, dann aber wieder sehr schnell vom Markt verschwunden sind.“ Dieter Klein sagt: „Wir haben immer gut gearbeitet und gewirtschaftet. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten greifen die Kunden daher gerne auf etablierte Produzenten wie uns zurück, um das kleinstmögliche Risiko einzugehen.“ Unisono beklagen die drei nicht nur wachsende Ansprüche, sondern auch die immer kleiner werdenden Budgets und den Preisverfall. Angesprochen auf das Preisdumping ist Wolfgang Ramml aber zuversichtlich: „Das vergeht wieder wie eine schlechte Sommergrippe. Früher oder später merken alle, die in dieser Industrie arbeiten, dass auch ein Auto einen Motor braucht, damit es fährt.“

Nachhaltige Werbeeffekte

Neben österreichischen Filmproduktionen sind auch internationale Filmproduktionen, die ins Land geholt werden, ein besonderer Werbeträger. Als zentrale Servicestelle fungiert hier die österreichische Film Commission „Location Austria“. Sie ist für die Vermarktung des Filmstandorts Österreich im Auftrag des Wirtschaftsministeriums zuständig. Zusätzlich zu den nationalen Anlaufstellen gibt es in den Bundesländern regionale Film Commissions wie die Vienna Film Commission, Cine Tirol, Cine Styria, Filmlocation Salzburg, Lower Austrian Film Commission und Carinthia Film Commission. Weil aber auch andere europäische Länder darum bemüht sind, internationale Produktionen ins Land zu holen, ist dieses Marktsegment heiß umkämpft. Ein Grund dafür ist, weil diese auch ein Motor für den heimischen Tourismus sind. Viele Reiseentscheidungen werden nämlich aufgrund von Film und Fernsehen getroffen: Laut einer Studie der Halifax Travel Insurance London lassen sich rund ein Viertel der Befragten durch Film und Fernsehen für ihre nächsten Reiseziele inspirieren. Andere wissenschaftliche Studien kommen zum Schluss, dass der Einfluss von Film und Fernsehen rund dreimal höher ist als zum Beispiel jener von klassischen Werbekampagnen. Bester Beweis dafür, dass die positiven Werbeeffekte von Filmproduktionen langfristig wirken, ist der Film „Sound of Music“, der in den 60er-Jahren in Österreich gedreht wurde. Der Film und insbesondere seine Lieder haben das Bild Österreichs in der Weltöffentlichkeit durchaus geprägt. Auch „Der Dritte Mann“ mit Hauptdarsteller Orson Welles alias Harry Lime, der im Jahr 1948 in Wien gedreht wurde, hat die Stadt – oder viel eher die Wiener Kanalisation – weltberühmt gemacht. Sie ist bis heute Hotspot für Filmproduzenten und Touristen.

Um die Tätigkeiten auf diesem Feld weiter zu intensivieren, hat die Film Commission „Location Austria“ am Ende des Vorjahres einen Kooperationsvertrag mit der britischen Pinewood Studios Group unterschrieben. Dieser trat mit 1. Jänner 2016 in Kraft und soll den Filmstandort Österreich zusätzlich international vermarkten. Auch der Bond-Streifen „Spectre“, der unter anderem in Altaussee, Sölden und Obertilliach gedreht wurde, entstand unter dem Mantel der Pinewood Studios -während des Drehs fungierte im Übrigen Wolfgang Ramml als heimischer Serviceproduzent.

Geht es um die internationale Verwertung von österreichischen Spielfilmen, ist man in den letzten Jahren durchaus erfolgreich gewesen. Ganz anders würde sich das laut Dieter Klein allerdings bei Werbefilmen verhalten: „Immer mehr Konzerne lassen gar keine Werbefilme mehr in Österreich produzieren und vergeben globale Aufträge an andere europäische Länder. Wir dürfen dann nur die Adaptionen dieser Werbefilme machen und darum denke ich, dass Österreich speziell in der Werbung international immer weniger eine Rolle spielt.“

Film- und Werbepreise

Ein Weg, um auch im Werbefilmsektor international wieder eine Rolle zu spielen, sind internationale Film- und Werbepreise: „Jeder internationale Preis, den ein Land gewinnt, spielt eine gewisse Rolle, denn er macht auf das jeweilige Land und die Produktion aufmerksam“, sagt Dieter Klein und ergänzt: „Die nationalen Preise sind natürlich für uns im eigenen Land von Bedeutung, denn wenn man oft unter den Gewinnern ist, wird das natürlich gesehen und hat auch eine Relevanz für weitere Aufträge.“ Anfang diesen Jahres wurde der sechste Österreichische Filmpreis vergeben, der von der Akademie des Österreichischen Films ins Leben gerufen wurde und herausragende Leistungen des vorangegangenen österreichischen Filmjahres in 16 Kategorien auszeichnet. „Ich seh, Ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala wurde mit insgesamt fünf Auszeichnungen und als Bester Spielfilm geehrt. Bester Kurzfilm wurde Patrick Vollraths „Alles wird gut“. Anthony F. Guedes hingegen ist der Meinung, dass Werbe-und Filmpreise weitgehend für Werbeagenturen und Kunden eine wichtige Rolle spielen würden und weniger für Unternehmen der Filmproduktion, da diese meistens gar nicht oder nur am Rande erwähnt werden.

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