„Die Zeitung ist die EURO“

Der Fußball rollt nicht nur im TV. Viele Tageszeitungen setzen auf Supplements, Sonderteile und eine ausgeklügelte Verbindung zwischen Print und Online.

Erschienen in HORIZONT 23/16

Die Zeitung ist die EURO

Die Ergebnisse der jüngsten OMD-Umfrage zur Mediennutzung rund um die EM bringen spannende Details mit sich: So wird zwar die Live-Übertragung vorwiegend im TV konsumiert (86 Prozent), in der Nachberichterstattung liegt aber die Tageszeitung vorne (67 Prozent). TV kommt hier nur auf 46 Prozent. Auch in der Vorberichterstattung schlägt sich Print gut, jeder Dritte liest sie in einer Tageszeitung. Genügend Grund für heimische Verlage, Specials und Extras rund um die EM zu produzieren.

Mehr Traffic, mehr Entnahmen

Mit einem täglichen EM-Extra füllt die Tageszeitung Österreich schon seit geraumer Zeit einen Teil ihrer Ausgaben; während der EM wird dieses Extra auf bis zu 32 Seiten anwachsen und an den wichtigen Spieltagen die Zeitung ummanteln. „Die Zeitung steht voll im Zeichen der EM und ist de facto die EM“, sagt oe24-Geschäftsführer Niki Fellner. Online wurde sport24.at, ein eigens für die EM gestartetes Sportportal, lanciert. Nichts weniger als „alles, was man zur EM wissen muss“, würde auf dem Sportportal zu finden sein. Zudem werden sowohl für Print als auch für Online eigene Reporter vor Ort stationiert, die einerseits die Tageszeitung mit Berichten, Interviews und Tagebüchern füllen und andererseits die Social-Media-Kanäle bespielen werden. „Wir werden sehr stark auf Facebook-Live setzen, die Reporter werden also täglich Livevideos vor Ort machen“, sagt Fellner. Und welche Erwartungen setzt er in alle diese Maßnahmen? „Zum einen erhoffen wir uns natürlich mehr Traffic auf dem Sportportal – Ziel ist es, diesen um 30 Prozent zu steigern. Zum anderen wollen wir mehr Zeitungen verkaufen und mehr Entnahmen bei den Gratisboxen haben“, sagt Fellner.

Fußballstars als Kolumnisten

„Weil wir uns erstmals sportlich für die EM qualifiziert haben und unserer Mannschaft Großes zutrauen, ist diese das größte Sportereignis mit österreichischer Beteiligung aller Zeiten“, sagt Robert Sommer, Leiter der Krone-Sportredaktion. Dementsprechend groß wird auch die Berichterstattung in Print und Online ausfallen. Ein EM-Hochglanzmagazin mit 132 Seiten wurde bereits produziert, in der Tageszeitung wird es während der EM täglich ein Extra mit bis zu 24 Seiten geben. Andreas Herzog wird seine eigene Printkolumne und Marko Arnautovic seinen eigenen Onlinechannel haben. Mit einer Onlineredaktion vor Ort, einer eigenen App und einem EM-Tagebuch von Herbert Prohaska wolle man das Onlineangebot „zur klaren Nummer eins während der EM machen“, sagt Max Mahdalik, Onlinesportchef der Kronen Zeitung, und ergänzt: „Wir haben alle Tor- und Matchvideos der Spiele als Sublizenznehmer des ORF, ein eigenes EM-Tippspiel, und unser Online-EM-Special hat zahlreiche Unterseiten mit allen Infos zum Event. Ich kann versichern, dass es das größte redaktionelle Onlineprojekt der Geschichte bei uns wird.“

Erste multimediale EM

„Wir sehen die EM als multimediales Ereignis, das wir umfassend in Print und Online abbilden werden. Es wird überhaupt die erste multimediale EM“, kündigt Heute-Chefredakteur Christian Nusser an. Neben einem 48-Seiten starken EM-Magazin, das über Entnahmeboxen und auf Public Viewings vertrieben wird, setzt das Medienunternehmen in Print vor allem auf große Geschichten abseits der Ergebnisberichterstattung. Für das Onlineangebot ist ein eigenes Team vor Ort, das Stimmungen einfangen, das Nationalteam begleiten und Hintergrundberichte liefern wird. Soziale Medien werden bei der Verbreitung von Liveinhalten eine zentrale Rolle spielen: „Der Livecharakter schlägt sich sowohl in Berichten als auch in Form von Tickern sowie Foto- und Videoproduktionen nieder“, sagt heute.at-Chefredakteurin Maria Jelenko-Benedikt. Über eine eigene App werden Inhalte mobil aufbereitet und Breaking News via Push-Notifications direkt auf die Smartphones gespielt. „Noch nie zuvor ist der Livecharakter eines Events in diesem Ausmaß mit Social Media verschmolzen, und noch nie zuvor war ein Thema mobil so wichtig“, ist Jelenko-Benedikt überzeugt.

Keine Hysterie

Auch bei der Presse werde man dem Großereignis Rechnung tragen, allerdings nicht in diesem Ausmaß, wie es der Mitbewerb macht: „Wir gehören nicht zu jenen Zeitungen, die in Hysterie verfallen, weil Österreich dabei ist. Wir werden wie immer eine seriöse, politisch sowie wirtschaftlich hintergründige Berichterstattung machen“, sagt Sport-Ressortleiter Wolfgang Wiederstein. Auf ein Sonderheft wollte man allerdings nicht verzichten: Die aktuellste Ausgabe der Reihe Presse-Geschichte widmet sich dem Thema Fußball und ist mit fußballhistorischen Texten gefüllt – auch der EM wurde darin Raum eingeräumt. In der Tageszeitung selbst wird es täglich bis zu vier Seiten Sportberichterstattung geben, die sich aber nicht ausschließlich auf die EM beziehen wird – im Fokus stehen Analysen, Hintergründe und Kommentare. Auch ein Reporter wird vor Ort sein, der in erster Linie über politische und wirtschaftliche Aspekte berichten wird. Und online werde es Liveticker zu allen Spielen der Nationalmannschaft geben.

Den richtigen Ton treffen

Nicht in Hysterie verfallen will auch der Kurier: „Den richtigen Ton in der Berichterstattung zu treffen, ist in Zeiten überschwappender Euphorie und Emotionen die größte Herausforderung“, sagt Bernhard Hanisch, Ressortleiter Kurier Sport. Auch der Sportteil des Kurier wird während der EM mit einem täglichen Fußballteil ausgebaut. „Aufgrund der Beteiligung Österreichs wird dieser sehr ausführlich sein und in der Tageszeitung sechs bis zehn Seiten umfassen.“ Start des EM-Schwerpunkts war bereits Anfang April, als der Kurier das Magazin Unsere EM launchte. Die 140-seitige Publikation ist zwar ein Fußballmagazin, liefert aber auch für nicht-fußballaffine Leser Hintergründe zu Land und Leuten in Frankreich. Und auch die Onlineausgabe des Kurier widmet sich der EM: Auf der Startseite wird es einen EM-Kurier geben, zudem werden die beiden vor Ort stationierten Sportreporter Hintergrundberichte und Videobeiträge aus Frankreich liefern.

Horizontale LinieFoto: Fotolia / Alekss / Boris Zerwann
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