Ein Büro am Walk of Fame

Seit Kurzem ist die Kronen Zeitung mit einem eigenen Büro am Hollywood Boulevard in Los Angeles vertreten. So will man der Konkurrenz insbesondere morgens eine Nasenlänge voraus sein.

Erschienen in update 02/17

Die Vorbereitungen dafür waren bereits im letzten Jahr angelaufen, die erste Redakteurin ist seit wenigen Wochen vor Ort. Österreichs größte Tageszeitung, die Krone, eröffnete vor wenigen Wochen ein Büro in den Vereinigten Staaten, genauer gesagt: direkt am Hollywood Boulevard in Los Angeles. Auch New York wurde ins Auge gefasst, schlussendlich fiel die Wahl aber auf die Stadt der Stars und Sternchen. Gegenüber update erzählt Michael Eder, Geschäftsführer der Krone Multimedia, wie es dazu kam, welche Ziele man damit verfolgt und über erste „Leuchtturm“-Geschichten.

New York Times, Post, Daily News, Wall Street Journal – in New York erscheint eine Vielzahl an Tages- und Wochenzeitungen. Da wundert es nicht, dass die Krone auch damit liebäugelte, in New York ein Büro zu eröffnen. Warum die Wahl auf Los Angeles fiel, hat zwei Gründe: erstens die Zeitverschiebung. „Diese neun Stunden helfen uns, dass der Redakteur bereits nachts unserer Zeit Nachrichten auf krone.at abdecken kann und wir so früh am Morgen mit der aktuellen Nachrichtenlage in den Tag starten können“, erklärt Eder. Zweitens hat auch das Schweizer Medienunternehmen Ringier in Los Angeles ein Büro, was einen Austausch möglich macht – zwar keinen inhaltlichen, wie Eder betont, allerdings in puncto Erfahrungen und Netzwerke. Auch Axel Springer hat eine Niederlassung vor Ort.

„Leuchtturm“-Geschichten

Morgens am Puls der Zeit zu sein, wird für Redaktionen zunehmend wichtiger. Nicht zuletzt deswegen, weil für viele noch vor dem Aufstehen der Griff zum Smartphone erfolgt – nicht nur, um den Wecker abzustellen, sondern auch, um die aktuelle Nachrichtenlage zu checken. Weil es aber aufgrund einer gewissen Sättigung immer schwieriger werde, Reichweiten zu generieren, gelte es, an „gewissen Stellschrauben zu drehen“, „Akzente zu setzen“ und „die frühen Zugriffsspitzen noch besser abzudecken“. Neben dem vor einigen Monaten gestarteten Morgen-Newsletter nun eben auch mit dem Büro in Los Angeles. „Wir nehmen dafür einen mittleren fünfstelligen Betrag in die Hand“, verrät Eder. Wie sich diese Offensive auf Klicks und Reichweiten auswirke, könne nach wenigen Wochen aber noch nicht beurteilt werden, „noch sind es einzelne ‚Leuchtturm‘-Geschichten, von denen wir im Speziellen profitieren“, sagt Eder. Ein Beispiel: Die Nachricht, dass Präsident Donald Trump den nunmehrigen Ex-FBI-Chef James Comey feuerte, hatte man als Erster, weil sich die Redakteurin vor Ort dieser Geschichte sehr schnell annehmen konnte.

Gesucht: „Universalgenies“

Krone-Redakteuren wird damit die Chance eröffnet, für eine bestimmte Zeit ins Ausland zu gehen, dort Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Aufgerufen, sich zu bewerben, wurden alle Redakteure – sowohl aus den Print- als auch aus den Onlineredaktionen in allen Bundesländerbüros. „Unser Aufruf hat einen riesengroßen Anklang gefunden, das war beeindruckend“, sagt Eder.
Eine besonders positive Überraschung war für ihn, dass sich außerordentlich viele Printredakteure beworben haben, „das hat uns gezeigt, wie offen sie auch dafür sind, für Online zu berichten“.

Anhand der Bewerbungen wählten Herausgeber Christoph Dichand, geschäftsführender Chefredakteur Klaus Herrmann und krone.at-Chefredakteur Richard Schmitt sowie die Geschäftsführer der Krone Multimedia, Gerhard Riedler und Michael Eder, vorerst einmal jene Redakteure aus, die im ersten Jahr vor Ort sein werden. Das Anforderungsprofil war vielfältig, gesucht wurden laut Eder „Universalgenies“ mit Know-how in den Bereichen Onlineberichterstattung, Fotografie und Video und vielfältigen Interessengebieten. Thematisch erstreckt sich das Aufgabengebiet nämlich über alle Ressorts hinweg: „Hier haben wir uns keine Grenzen gesetzt, jeder darf und soll neue Ideen einbringen, alles ist möglich.“ Reportagen zu produzieren ist genauso gefragt, wie das schnelllebige Onlinegeschäft zu bedienen. Jeder Redakteur ist maximal drei Monate vor Ort, auf einen Printredakteur folgt ein Onlineredakteur und vice versa. Aktuell ist die Kärntner Printredakteurin Clara Milena Steiner vor Ort, ihr folgt der Social-Media-Beauftragte Paul Tikal nach. Mitte Juli wird gewechselt.

Mit dieser Initiative wollte man auch „ein Zeichen setzen, dass wir erweitern und investieren“, erklärt Eder. Die größten Herausforderungen lagen im Aufbau der Infrastruktur, etwa der Bereitstellung von Büroräumlichkeiten und dem Einrichten der Redaktionssysteme. Auf einem anderen Kontinent beziehungsweise in einer anderen Zeitzone ein weiteres Büro zu eröffnen, sei aktuell aber „definitiv nicht angedacht“.

Horizontale LinieFoto: Kronen Zeitung / Klemens Groh
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