Ein Schritt in eine neue Ära

Alexandra Zotter, neue Geschäftsführerin des Verbandes Druck und Medientechnik, spricht im Interview über die Öffnung des Verbandes, wie es mit dem Kollektivvertrag weitergeht und welche Vorhaben sie 2017 umsetzen will.

Erschienen in HORIZONT 50/16

HORIZONT: Mit Anfang Dezember sind Sie zur Geschäftsführerin des Verbandes Druck und Medientechnik bestellt worden. Was hat Sie dazu bewogen, die Geschäftsführung eines Verbandes einer krisengeschüttelten Branche zu übernehmen?

ALEXANDRA ZOTTER: Die Branche ist sicher eine schwierige, in der sich viel tut, in der sich in der Vergangenheit sehr viel getan hat und in der sich sehr viel in der Zukunft tun wird. Das Spannende ist für mich, diesen Umbruch zu begleiten und hier auch neue Akzente zu setzen. Im Mai dieses Jahres hat der Verband beschlossen, sich auch anderen Branchen zu öffnen. Und das ist natürlich eine Seltenheit, einen Job zu bekommen, in dem man an einer Umgestaltung mitarbeiten kann.

Der Beginn dieses Jahrzehnts war für die Druckbranche kein Zuckerschlecken: Betriebe mussten schließen, die Zahl der Beschäftigen sank massiv, genau wie die Produktion. Ist diese Öffnung auch eine Antwort auf diese Krise?

Die Öffnung ist die Antwort auf die technische Entwicklung im Druck. Es sind neue Bereiche entstanden vom Textildrucker über Montagefirmen, Endfertiger und Verpackungsdrucker bis zum 3D-Druck, die ebenfalls zur Druckbranche zugehören, die wir aber bisher auf Grund unserer Statuten abweisen mussten. Mit der Öffnung können diese jetzt erstmals Mitglied werden.

Im Vorjahr haben Österreichs Druckbetriebe um 2,5 Prozent weniger Umsatz gemacht. Der Wert der Produktion sank auf 1,63 Milliarden Euro. Die Anzahl der Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten verringerte sich um 8,6 Prozent auf 184. Von ihnen wurden 8.329 Mitarbeiter beschäftigt, ein Minus von 4,1 Prozent. Setzte sich dieser Negativtrend auch im Jahr 2016 fort?

An den Zahlen sieht man, dass es ein kleines Licht am Ende des Tunnels gibt. Im ersten Halbjahr 2016 hat es einen kleinen Umsatzzuwachs von 1,1 Prozent gegeben, es gibt um 0,7 Prozent mehr Betriebe und die Beschäftigtenzahlen verringerten sich um 0,2 Prozent. Vergleicht man diese Zahlen mit anderen Jahren, kann man sagen, dass dieser absolute Abwärtstrend gestoppt sein dürfte.

Welche Maßnahmen müssen die Betriebe treffen, um auch in Zukunft in einem sich ändernden Markt konkurrenz-und überlebensfähig zu bleiben?

Ich glaube, die Betriebe haben tolle Produkte, viel Know-how und können im B2B-und B2C-Bereich wirklich gut beraten. Was aber fehlt ist ein guter Marketingauftritt. Jeder Betrieb sollte sich überlegen, was sein USP ist, wofür seine Marke steht und auf welche Punkte er setzen möchte.

Während vor einigen Jahren viele Produkte in höheren Auflagen produziert wurden als benötigt, um den Stückpreis gering zu halten, zeigt sich aktuell ein anderes Bild. Welche Trends bestimmen heute die Druckbranche?

Zu den spannendsten Trends zählen Print-on-Demand, die Personalisierung und Digitalisierung. Was sicher auch ein Thema ist, ist der Medienwandel und dass Druckaufträge ins Ausland abfließen, weil dort billiger produziert werden kann.

Apropos Ausland: In Deutschland, wo die Marktbereinigung schon weiter fortgeschritten ist, sind Konsoldierungen und Zusammenschlüsse von Druckbetrieben bereits gang und gäbe. Wie sieht die Situation hierzulande aus?

Das ist ein großes Thema. Es gibt ja einerseits die Taus-Gruppe, ein Zusammenschluss der AV+ Astoria, agensketterl und Grasl. Die Leykam Let’s Print wurde von der Walstead-Gruppe gekauft und auch das Niederösterreichische Pressehaus steht zum Verkauf. Man sieht also: Die Branche ist in Bewegung.

Muss man sich Sorgen machen, dass es bald nur noch einige wenige Player gibt, die den Markt beherrschen?

Das ist sicher ein Trend. Ich glaube, dass es einerseits diese Konsolidierungen und Zusammenschlüsse gibt, andererseits werden aber auch eigenständige Druckereien gegründet.

Die Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag gingen dieses Jahr in die entscheidende Phase. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Im September hat der Verband dann jene Statuten, die festschreiben, dass dieser der Kollektivvertragspartner ist, gestrichen. Was war für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen?

Die Grundlage für diese Entscheidung war, dass man aufgrund des verschärften Lohn-und Sozialdumpinggesetzes erkannt hat, dass ein Kollektivvertrag, der so umfangreich ist, sehr viele Fallstricke in Bezug auf dieses Gesetz hat. Und das war auch der Grund, warum der Verband gesagt hat, dass er das nicht mehr verantworten kann.

„Das Lohn-und Sozialdumpinggesetz stellt in keiner einzigen anderen Branche eine so unüberwindbare Hürde dar, dass sie ihre Verantwortung aufgibt, Kollektivvertragspartner zu sein“, hieß es damals von Seiten der GPA-djp. Was halten Sie dem entgegen?

In anderen Branchen gibt es einen Kollektivvertrag, der zehn Seiten hat. Unser Kollektivvertrag hat weitaus mehr, nämlich einige Hunderte Seiten. Er beinhaltet zum Beispiel totes Recht, das sowieso nicht mehr angewendet wird – und dennoch konnte man sich nicht einigen, das zu streichen. Das ist überhaupt nicht zeitgerecht und das ist eben das Problem.

Der bestehende Kollektivvertrag läuft mit Jahresende aus. Inwieweit wird sich diese Statutenänderung auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer auswirken?

Der Kollektivvertrag läuft nicht aus, sondern hat eine Nachwirkung und bleibt so lange bestehen, bis neue Vereinbarungen getroffen werden. Solange es diese nicht gibt, bleibt der Kollektivvertrag in dieser Form in der Nachwirkung aufrecht.

Von Seiten der GPA-djp heißt es auch, dass dies nicht im Sinne der Wirtschaftskammer sein könne. Ist dieser Interessenskonflikt auch der Grund, warum Werner Neudorfer, der den Verband in den letzten zwölf Jahren geführt hat und sich nun auf seine Tätigkeiten in der Wirtschaftskammer konzentriert, die Geschäftsführung im Verband zurückgelegt hat?

Es gibt keinen Interessenskonflikt. Im Mai wurde beschlossen, dass sich der Verband anderen Branchen öffnet und diese Neuorientierung braucht auch einen Geschäftsführer, der Vollzeit im Verband tätig ist. Werner Neudorfer war nicht Vollzeit angestellt, sondern nur stundenweise. Das war auch der Grund, warum der Verband beschlossen hat, diese Position neu zu besetzen.

Und welche Ziele haben Sie nun als neue Geschäftsführerin?

Es sind persönliche und Verbandsziele, die sich hier überschneiden. Was mir besonders am Herzen liegt, ist, den Onlineauftritt des Verbandes moderner zu gestalten. Auch der Österreichische Druckertag wird seine Türen künftig für andere Branchen öffnen. Ein Punkt, auf den ich auch sehr viel Wert lege, ist Vernetzung – innerhalb und außerhalb der Branche. Ein weiterer Schwerpunkt wird die branchenspezifische Aus-und Weiterbildung sein. Es tut sich also einiges und es macht sehr viel Spaß, hier Pionierarbeit zu leisten.

Zur Person

Alexandra Zotter hat ihre Karriere in der Telekommunikationsbranche gestartet und war dort im Controlling, der Marktforschung und im Produktmarketing tätig. Danach ist sie im internationalen Fachverlag LexisNexis in den Bereich PR eingestiegen und zur Stabstelle PR & Corporate Marketing aufgestiegen. Ein weitere berufliche Station hat sie als Kommunikationsberaterin in den FEEI -Fachverband der Elektro-und Elektronikindustrie geführt. Zuletzt war sie als Pressesprecherin und Leiterin Öffentlichkeitsarbeit bei der NGO Licht für die Welt tätig. Das Studium der Betriebswirtschaftslehre schloss Zotter an der Universität Wien mit einer Magistra der Sozial-und Wirtschaftswissenschaften ab.

Horizontale LinieFoto: Froschauer
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