Epizentrum der Grenzübertritte

1 Milliarde Dollar sollen in einen Grenzzaun in der US-Stadt El Paso fließen. Dort wird der Grenzübergang von Migranten förmlich überrannt. Die „Krone“ machte sich vor Ort ein Bild von der amerikanischen Grenzpolitik.

Erschienen in der Kronen Zeitung am 16/04/19

Den Verteidigungsminister begleitet Sandra Schieder

3000 Kilometer – so lang ist die Grenze zwischen den USA und Mexiko. Der Hotspot dieser Grenze liegt in El Paso im Bundesstaat Texas, wo ein Stahlzaun die USA und Mexiko trennt. Täglich passieren dort 150.000 Menschen zu Fuß und 15.000 Fahrzeuge den Grenzübergang. Die Menschen, die oft Stunden Schlange stehen, kommen zum Arbeiten, Einkaufen, Verwandte besuchen – oder in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den Vereinigten Staaten.

Die Übergänge in der US-Stadt werden förmlich überrannt – täglich gehen den Behörden dort 1000 illegale Einwanderer ins Netz. Damit werden in El Paso neben dem ebenfalls texanischen Rio Grande Valley die meisten illegalen Grenzübertritte gezählt. Die Menschen, die sich illegal auf den Weg in die Vereinigten Staaten machen, stammen meist aus mittelamerikanischen Ländern wie Guatemala, Honduras und El Salvador. Nur ein Bruchteil sucht um Asyl an. Das überrascht nicht, werden doch im konservativen El Paso 94 Prozent aller Asylanträge negativ beschieden.

1 Milliarde für Grenzzaun statt umstrittener Mauer

Um die illegale Einwanderung zu unterbinden, fordert Präsident Donald Trump nach wie vor den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Sie war 2016 eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen und sorgt seit Monaten für heftigen politischen Widerstand. Für Trumps umstrittenen Plan hat das Pentagon, der Hauptsitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums, kürzlich eine Milliarde Dollar freigegeben. Statt einer Mauer bekommt Trump nun aber einen Grenzzaun. Dieser soll im Gebiet von El Paso auf 92 Kilometer Länge und 5,5 Meter Höhe errichtet werden. Außerdem versetzte die Regierung Donald Trumps im Februar zusätzliche Soldaten an die 3000 Kilometer lange amerikanisch-mexikanische Grenze. Sie sollen dort 240 Kilometer Stacheldraht verlegen. Insgesamt sind nun 4350 Soldaten an der Grenze stationiert. Der Grund für diese radikalen und für viele unbarmherzigen Maßnahmen: An der Grenze zu Mexiko herrscht seit Monaten ein Rekord-Andrang – nicht nur in El Paso, sondern auch in anderen Grenzstädten.

Verteidigungsminister lobt Außengrenzschutz

Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) stellte vor Ort jedenfalls fest, dass sich Europa vom Außengrenzschutz der USA etwas abschauen kann. Tausende Grenzschützer sind dort mit modernsten Geräten im Einsatz. US-Armee, State Police und Homeland Security arbeiten Hand in Hand. „Ob Bodensensoren, der Einsatz von Drohnen oder Kamerasystemen – gerade im technischen Bereich und beim Vernetzen von Überwachungsmöglichkeiten können wir etwas lernen“, sagt Kunasek. Der Delegation des Verteidigungsministers gehört auch der EU-Abgeordnete Harald Vilimsky (FPÖ) an, der sich erst vor drei Wochen mit der „Krone“ den Grenzzaun zwischen Europa und Marokko ansah. „Eines haben Europas Grenzen mit denen der USA gemeinsam: Je besser sie geschützt sind, desto geringer sind die Versuche illegaler Übertritte“, sagt Vilimsky. Dafür sei „jedes Mittel gut und richtig: Zäune, ausreichend Beamte oder notfalls auch eine Mauer“.

Horizontale Linie

Foto: Bundesheer/Pusch
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