Forward Festival: Vorhang auf für Kreative

In den vergangenen vier Tagen versammelte sich die Kommunikations- und Kreativbranche am Forward Festival. Das mehrtägige Festival lockte mit neuer Location, neuer Stadt und neuen Speakern.

Erschienen auf HORIZONT online 04/16

Vorhang auf für Kreative

In diesem Jahr ging das Festival für Kreativität, Design und Kommunikation nicht nur in Wien, sondern erstmals auch in München über die Bühne. Im Großen und Ganzen versammelten sich am Forward Festival lokale und internationale Persönlichkeiten aus der Kommunikations- und Kreativbranche. Am mehrtägigen Festival konnten unter anderem Konferenzen, Workshops und Exhibitions besucht werden. Ziel war es, Austausch, Bildung, Vernetzung und Raum für Ideen zu schaffen. Hauptschautplätze in Wien waren das Gartenbaukino, das MAK und Die Angewandte. Während die ersten beiden Tage von zahlreichen Konferenzen geprägt waren, lockte am dritten Tag ein breites Workshop-Angebot. Die Workshops, in denen sich die Autorin dieser Zeilen befand, hatten allerdings weniger Gruppenarbeit- und mehr Frontalvortrag-Charakter.

„Stehen für Menschlichkeit, nicht für Arschlochsein“ 

Nachdem Lukas Grossebner mehrere Jahre bei Demner, Merlicek & Bergmann werkte, zog es ihn zu Jung von Matt Donau, DDB Wien, Heimat Berlin und danach wieder zurück nach Wien. Am Forward Festival gewährte der junge Kreative Einblicke in seine Arbeiten und zog Resümee seiner beruflichen Stationen, etwa: „Wir haben versucht, in unsere Werbung und Kommunikation was Echtes reinzupacken.“ (DDB Wien) und „Die Arbeit hat mich irgendwann nicht mehr glücklich gemacht.“ (Heimat Berlin). Während er im Vorjahr in einem HORIZONT-Interview deutliche Kritik an der heimischen Werbebranche und großen, etablierten Agenturen geübt hat, sieht Grossebner vor allem in jungen Kreativagenturen großes Potenzial und nennt Beispiele: „LWZ, Salon Alpin und Zwupp sind in meinen Augen das Spannendste, was unser Land zu bieten hat.“ Vor rund zehn Monaten gründete er gemeinsam mit Franz Merlicek die Wiener Agentur „Merlicek & Grossebner“ und sagt dazu: „Unser Laden steht für Menschlichkeit, nicht für Arschlochsein.“ Auf die Frage, wie das mit dem Erfolg und der Karriere denn so funktioniert, antwortet Grossebner: „Mir ging es immer um die Sache. Jedem, dem es auch um die Sache und nicht um irgendwelche Preise geht, wird erfolgreich sein, in dem was er macht.“

„Content-Marketing ist keine Allheillösung“ 

Was 1994 als Punk-Zine in Montreal begann, ist heute das am schnellsten wachsende Medienhaus der Welt. Vice ist ein Jugend-Medienimperium mit Büros in 35 Ländern, das mehr als 300 Millionen junge Menschen weltweit quer über alle Plattformen erreicht – darunter ein Print-Magazin, digitale Channels, lineares TV und zahlreiche Content-Partner im Social-Media-Bereich. Mit authentischem und emotionalem Content integriert Vice die Ideen von Brands in das tägliche Leben junger Menschen, denkt dabei nicht in Kanälen, sondern in Content. In Wien gaben Dian Warsosumarto, Executive Creative Director und Michael Derkits, Chief New Biz Officer, Einblick in die Arbeit des Medien- und Kommunikationsapparates. In erster Linie versuche man Werbung zu machen, die „ein bisschen weniger Scheise ist, als alles andere da draußen“. Warsosumarto hatte es satt, „das Silo (Anm.: TV, Print, Radio und Banner) zu befüllen“ und wollte in der Werbung neue Wege gehen. Man wolle den Ethos von Vice – nämlich Geschichten anders und von echten Menschen zu erzählen – auch an Werbekunden weitergeben. Dennoch sei Content-Marketing aber „keine Allheillösung für alles“.

„Auf einen Journalisten kommen 4,6 PR-Leute“ 

Wie macht man Pressearbeit, damit das Thema auch von Medien aufgegriffen wird? Wie kann man Geschichten aus seinen Produkten machen, die einen Artikel wert sind? Welche Dinge sollte man immer parat haben, wenn ein Journalist spontan anruft? Diese und andere Fragen beantwortete Dominik Sinnreich, Leiter der Politik-Redaktion der Puls4-News, im Workshop „Forward? Kreativ in die Schlagzeilen“. Das Wichtigste für PR-Leute sei es, sich eine „Landkarte der Journalisten“ zu machen, die für das Thema wichtig sind. Heißt: PR-Leute sollen ihre Informationen nicht breit streuen, sondern gezielt Journalisten ansprechen, die das Thema tatsächlich aufgreifen könnten. Denn: „Auf einen Journalisten kommen 4,6 PR-Leute“, zitiert Sinnreich eine Studie aus den USA. Damit man einen Überblick bekommt, welcher Journalist für welche Themen bei welchem Medium zuständig ist, müsse man eine Zeit lang alle relevanten Medien beobachten und lesen. Wichtig sei auch der Zeitpunkt, an dem man mit seinen Informationen an einen Journalisten herantritt. Dazu sagt Sinnreich: „Es gewinnt nicht immer die beste Geschichte, sondern die gute Geschichte, die früh genug reinkommt.“ Und: „Wer Informationen hat, an denen Medien nicht vorbei können, kann die Presseaussendung natürlich auch um 23 Uhr ausschicken – Freunde macht man sich damit aber keine.“

„Fans zu erreichen ist Mittel zum Zweck“

„Ziel ist es nicht, Fans zu erreichen, sondern, das Produkt zu verkaufen. Fans zu erreichen ist dabei nur der Mittel zum Zweck“, sagt Online Marketer Klaus Heller und beantworte in seinem Workshop, wie smartes Online Marketing im Jahr 2016 geht. Die Spezifikationen und Eigenheiten der unterschiedlichen Sozialen Netzwerke spielten in seinem Vortrag ebenso eine Rolle wie neue digitale Trends. Im Wesentlichen ortet Heller zwei digitale Trends: 360-Grad-Videos und Virtual Reality. „Der Video-Hype geht weiter, weil man mit Video viel besser Geschichten erzählen kann.“ Darüber hinaus beleuchtete er die Konsequenzen dieser Entwicklungen für das Online Marketing. Es würde bedeuten, dass man seine Zielgruppe nur mehr erreichen kann, indem man sie kenne und einen genauen Maßnahmenplan habe. Erfolgreiche Kommunikation sei wie ein Fußballspiel: „Der Trainer gibt seinen Spielern einen Plan, wie man das Match gewinnt. Wenn jeder seine Aufgaben macht, kann man gewinnen.“

Horizontale LinieFoto: Lupi Spuma