In den Fußstapfen der Medien-Tycoons

Schon heute haben junge Medienmacher klare Vorstellungen, in welche Richtung sich die Medienimperien ihrer Eltern, die sie eines Tages übernehmen werden, entwickeln sollen.

Erschienen in HORIZONT 41/16

In den Fußstapfen der Medien-Tycoons

Jahrzehntelang wurde die österreichische Medienlandschaft von wenigen Gründungsverlegern geprägt. Seit einiger Zeit ist nun eine Generation dabei, sich deren Handwerk anzueignen – und einige von ihnen haben bereits Verantwortungsbereiche übernommen. Denn auch sie wissen, dass es eines Tages soweit sein wird: Die Gründungsverleger werden nicht nur leisertreten, sondern sich gänzlich aus ihrem Medienreich zurückziehen. Und dann werden sie das Zepter in die Hand nehmen. In welchen Bereichen künftig ihre Schwerpunkte liegen werden, ob es Strukturen gibt, mit denen sie unbedingt brechen wollen, was sie mit ihren Vätern eint und worin sie sich unterscheiden, darüber sprechen die vier Medienmacher Niki Fellner (31) und Jenny Magin (29), Lorenz Cuturi (32) und Eugen B. Russ (30) gegenüber HORIZONT.

Schon heute beobachtet die Branche mit Argusaugen, mit welchen Ideen die nächste Generation der Medienmacher, allesamt Digital Natives, frischen Wind in ihre Medienhäuser bringen wollen. Ihre Hauptaufgabe wird es sein, Antworten auf die Schlüsselfragen, die ihre Väter vor gut zwei Jahrzehnten das erste Mal beschäftigt haben, zu finden: Mit welchen Geschäftsmodellen kann es gelingen, Onlineinhalte gewinnbringend zu monetarisieren? Welche Geschäftsfelder können als weitere Einnahmequellen erschlossen werden? Und welche Rolle wird die gedruckte Zeitung künftig spielen?

Die Liebe zum Medienmachen

„Der Kronprinz von Österreich“ titelte der Falter 2009, als Niki Fellner damals zum Herausgeber der Wirtschaftsbeilage der Tageszeitung Österreich avancierte und mit dem dazugehörigen Internetportal money.at sein erstes Medium gründete. Das Zeitungmachen wurde dem ältesten der vier Fellner-Kinder quasi in die Wiege gelegt. Seine Mutter Uschi Fellner-Pöttler, mittlerweile von Wolfgang Fellner geschieden und mit Christian Pöttler, Geschäftsführer des echo medienhaus, verheiratet, ist bekannt dafür, ihren Sohn bereits im Kinderwagen mit in die Redaktion genommen zu haben. Nach seinem Medienökonomiestudium an der Schweizer Eliteuniversität St. Gallen kehrte er in den Familienbetrieb zurück – das war vor zehn Jahren, just zu jenem Zeitpunkt, als Wolfgang Fellner die Tageszeitung Österreich gründete. „Das Ende meines Studiums und die Gründung der Tageszeitung sind vor zehn Jahren recht gut zusammengefallen. Damals habe ich mir gedacht, die Chance bei einer Zeitungsgründung von Anfang an dabei zu sein, bekommt man nur einmal“, erzählt Niki Fellner. 2010 übernahm er dann die Chefredaktion von oe24.at, 2013 wurde er Teil der Geschäftsführung von oe24.at. Seit Kurzem hat er auch die Geschäftsführung von oe24.TV inne.

Um eines Tages das „modernste Medienunternehmen Österreichs“ zu werden, gelte es „Trends aufzugreifen und ein möglichst breites Digitalportfolio zu haben“, sagt Niki Fellner. Gerade im Digitalbereich würde es in Zukunft nicht mehr nur darum gehen, Artikel zu schreiben, „wer das macht, kann eh schon absalutieren, denn das ist vorgestrig“. Laut Jenny Magin – ebenfalls Nachwuchs von Wolfgang Fellner und Herausgeberin der Österreich-Magazine – werde man langfristig die Strategie verfolgen, noch stärker auf Bewegtbild zu setzen. „Die Frage ist, ob man online irgendwann komplett von Textmengen wegkommt und nur noch Videos produziert“, sagt sie. Von Querfinanzierungsmöglichkeiten sowie Paid Content hält Niki Fellner nur wenig. „Es geht nicht darum, irgendetwas querzufinanzieren. Die Frage ist, wie sieht ein erfolgreiches Geschäftsmodell aus. Das ist meiner Meinung nach, nicht nur Artikel zu verfassen, sondern Medien breiter zu denken.“ Dass Paid Content das Allheilmittel ist, daran glaubt er nicht und das würden mittlerweile auch jene so sehen, die es probiert hätten. „Paid Content würde auch rein strategisch nicht zu unserem Geschäftsmodell passen, weil wir eine Gratiszeitung machen. Es wäre widersinnig, dann im Internet Geld zu verlangen.“

Bis Wolfgang Fellner das Zepter aus der Hand geben wird, werden noch einige Jahre und damit wohl auch das eine oder andere Fellner-Projekt ins Land ziehen. „Spruchreif ist eine komplette Übernahme auf keinen Fall, denn momentan ist mein Vater noch sehr präsent und auch der Mastermind hinter Österreich“, sagt Jenny Magin. Und auch Niki Fellner hält es für wichtig, dass sein Vater im Medienunternehmen aktiv ist: „Er kümmert sich als Herausgeber um das Inhaltliche, meine Schwester ist für die Magazine verantwortlich und ich für den Digitalbereich. Das ist ein super Dreigespann, das wir da aufgezogen haben.“ Der Plan ist, dass er und seine Schwester in den nächsten Jahren sukzessive übernehmen. Bei einem Generationenwechsel werde Jenny weiterhin den Magazinbereich verantworten, er selbst den Digitalbereich, die Tageszeitung und das Fernsehbusiness. In der Arbeitsweise würde Jenny Magin dann wesentlich vorsichtiger agieren als ihr Vater. „Ich bin in vielen Dingen nicht so risikobereit wie er. Wenn mein Vater eine Idee hat, geht er sehr aggressiv in einen Markt hinein. Da bin ich eher jemand, der sich vortastet“, sagt sie und nennt ein Beispiel: „Die Idee, jeden Wochentag mit einem Magazin zu belegen, kam von ihm. Ich bin zwar für die Magazine verantwortlich und sehr happy, wie diese sich entwickelt haben, aber meine Idee war es nicht. Alleine vom Anzeigenvolumen hätte ich mich das nicht getraut.“ Ob es sonst noch Strukturen gibt, mit denen die beiden brechen wollen? „Im Führungsstil. Da ist mein Vater, wie soll ich sagen, sicherlich ‚aktiver‘ in seinem Auftreten“, sagt Niki Fellner. Was die beiden eint ist die große Liebe zum Medienmachen. „Diese Passion habe ich von ihm und es gibt für mich kaum etwas Cooleres.“ Dem schließt sich Jenny Magin an: „Wir lieben und leben beide unseren Job. Wenn ich ins Büro gehe, hat das für mich nicht wirklich etwas mit Arbeit zu tun, sondern mit Erfüllung.“

Drei von fünf Söhnen

Andernorts wurde der Generationenwechsel bereits vollzogen. Startschuss zum schrittweisen Rückzug war bereits im September 2015, vor wenigen Wochen ging die Wachablöse dann tatsächlich über die Bühne: Rudolf A. Cuturi, der seit 1967 am Ruder war, übergab die Mediengruppe Wimmer endgültig an drei seiner fünf Söhne. „Schon als Kind hat es mich fasziniert zu sehen, wie viel Arbeit in so einer Zeitung steckt und dass dieses Produkt täglich neu gemacht wird“, erzählt Lorenz Cuturi, der seit dem Vorjahr für die Onlinezukunft aller Wimmer-Medien verantwortlich zeichnet. Aufgrund seiner Faszination für Medien und Verbundenheit zum Unternehmen, habe es sich „relativ früh herauskristallisiert“, dass er ins Mediengeschäft einsteigen werde. Gedrängt wurde er zu dieser Entscheidung nicht, genauso wenig wie seine beiden Brüder. „Bei fünf Söhnen dachte sich mein Vater wohl, dass sich schon einer finden wird, der das machen will“, erzählt Lorenz Cuturi. Aus einem sind letztlich drei geworden. Neben ihm verantwortet Gino die Marketing-Agenden der Medien- und Druckereigruppe und Paolo kümmert sich um die Immobilien. Die Beziehung zwischen den drei Brüdern würde sich durch eine hohe Wertschätzung und gute Gesprächsbasis auszeichnen. „Wir reden viel miteinander, aber wir reden uns nicht drein.“ Die Wimmer Mediengruppe verfügt über eine wirtschaftlich gute Basis. Lorenz Cuturi ist davon überzeugt, dass dies auf sehr vielen richtigen Entscheidungen, die sein Vater in der Vergangenheit getroffen hat, basiert. Damit meint er unter anderem die Regionalisierung. „Das war wahrscheinlich eine der wichtigsten und wesentlichsten Entwicklungen, die mein Vater vorangetrieben hat.“ Der starke regionale Fokus soll auch in Zukunft im Unternehmen verankert bleiben. Was Akquisitionen betrifft, sieht er Optimierungspotenzial, denn da „gab es in der Vergangenheit auch Optionen, gegen die sich der Verlag entschieden hat, die sich aber im Nachhinein gesehen besser entwickelt haben als erwartet“. Und auch Kooperationen mit anderen Bundesländer-Verlagen will er vertiefen. Neue Geschäftsfelder sollen dahingehend erschlossen werden, dass die Wimmer Mediengruppe in Zukunft nicht nur als Informationshaus, sondern verstärkt als Partner des Bundeslandes Oberösterreich wahrgenommen wird. „Das werden wir auch im Onlinebereich weiter forcieren und dort Geschäftsfelder entwickeln, die auf partnerschaftlichen Beziehungen mit der gesamten Region beruhen.“

Internationale Karriere

„Mir war es immer wichtig, mich außerhalb von Österreich und des familiären Einflusses selbstständig zu beweisen. Wenn man nämlich in Vorarlberg einen gewissen Namen hat, kennt einen jeder“, erzählt Eugen B. Russ. Aus diesem Grund hatte er bereits nach der Matura den Wunsch, im Ausland Fuß zu fassen. Dass seine erste Station ihn zum Studieren nach Mailand führte, hatte mehr mit Zufall, denn mit Plan zu tun. Damals hatte er nämlich sämtliche Anmeldefristen, bis auf jene an den Universitäten in St. Gallen und in Mailand, verpasst. „‚Auf keinen Fall gehe ich nach St. Gallen, weil das ist ja nur zehn Kilometer von Bregenz entfernt‘, dachte ich mir damals und habe mich dann für Mailand entschieden“, so Eugen B. Russ. Nach einem Jahr in Mailand hat er an der London School of Economics studiert, war vier Jahre Berater bei der Boston Consulting Group in Zürich und hat seinen MBA an der University of Columbia in New York abgeschlossen. Vor drei Jahren ist er schließlich in den Familienbetrieb eingestiegen und hat die Geschäftsführung von erento, einem Onlinemarktplatz für Mietartikel, übernommen. Die Russmedia-Gruppe führt das 2003 gegründete Unternehmen seit 2011 in ihrem Digitalportfolio. Nachdem es bei erento mehrmals zu einem Wechsel der Geschäftsführung gekommen ist, habe ihn sein Vater Eugen A. Russ gefragt, ob er das machen wolle. „Zum einen fand ich die Mission der Firma – nämlich das Mieten einfacher zu machen als das Kaufen – spannend, zum anderen hatte ich bereits seit meiner Kindheit eine Affinität fürs Digitale“, erzählt er. Aber auch heute arbeitet Eugen B. Russ nicht in Schwarzach, wo die Russmedia-Gruppe ihren Hauptsitz hat, sondern in Berlin, wo erento firmiert. Dass er mit erento damals einen „komplett abgetrennten Geschäftsbereich“ übernommen hat, bedeutete für ihn Glück und Pech gleichzeitig. „Glück, weil ich nicht die typischen Generationenreibungen gespürt habe und komplett autark arbeiten konnte, und Pech, weil mir kein einziges Fettnäpfchen erspart geblieben ist und ich schmerzhaft jeden einzelnen Fehler machen musste.“

Die Karriere von Eugen B. Russ hat bisher ausschließlich außerhalb der Medienbranche stattgefunden. Ob ihn das Mediengeschäft nie gereizt hat? „Ich glaube ganz stark, wenn du etwas verändern willst, dann musst du in eine dynamische Industrie reingehen. Und die Industrie, die derzeit am dynamischsten ist, ist das Internetgeschäft, um es ganz breit zu formulieren“, umschreibt er sein „Nein“. Dass er eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Unternehmen übernehmen wird, möchte er allerdings nicht ausschließen. Was er dann anders oder besser machen würde? „Ich würde die Strategie so weiterführen und in Zukunft den Digitalbereich noch stärker forcieren, und da auch nicht-journalistische Themen noch stärker betonen.“

Die Söhne anderer Väter

Last but not least: Maximilian Dasch, Sohn des gleichnamigen Herausgebers der Salzburger Nachrichten, rückte 2013 in die Geschäftsführung auf, wo er davor schon vier Jahre als Assistent tätig war. Seit mehr als einem Jahrzehnt fest im Sattel sitzen außerdem Alexander Mitteräcker, Sohn von Oscar Bronner, dem Gründer der Nachrichtenmagazine trend und profil sowie der Tageszeitung Der Standard und Christoph Dichand, Sohn des 2010 verstorbenen Hans Dichand, dem Gründer der Kronen Zeitung. Mitteräcker ist bereits seit 2000 als Geschäftsführer von derstandard.at und im Vorstand der Standard Verlagsgesellschaft tätig. Dichand hat seit 2003 die Chefredaktion der Kronen Zeitung inne.

Horizontale LinieFoto: Fotolia / Gundolf Renze
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