Messaging-Dienste zur News-Distribution

Die steigende Beliebtheit von Messengern macht diese auch zum beliebten Kanal für Medien, um Inhalte zum Leser zu bringen. Große Herausforderung ist die Interaktion.

Erschienen in HORIZONT 41/16

Messaging-Dienste zur News-Distribution

Einer Umfrage der Agentur Mindshare zufolge liegen Messaging-Dienste in der Beliebtheitsskala der Apps ganz vorne: Bereits 89 Prozent der 15- bis 59-Jährigen in Österreich haben solche Dienste am Smartphone installiert. Insbesondere die Nutzerzahlen von WhatsApp sind im vergangenen Jahr explodiert: Der Messaging-Dienst ist mit 3.949.000 Nutzern hierzulande populärer als Facebook (3.600.000), Instagram (830.000) oder Snapchat (827.000). Kein Wunder also, dass auch Medienunternehmen verstärkt auf Messaging-Dienste setzen, um Traffic zu generieren. In einem Punkt sind sich diese unisono einig: Die News-Distribution über Messaging-Dienste komme bei den Usern extrem gut an – neben WhatsApp sind das auch der Facebook Messenger, Telegram und Snapchat. Viele Nutzer wollen nämlich up to date sein, aber eben genau dort, wo sie sich ohnehin befinden, und nicht über eine andere App, die sie extra installieren müssen.

Kommunikation mit Abonnenten

Wenn bei etwa 20.000 derstandard.at-Lesern um sieben Uhr morgens das Smartphone surrt, dann ist es wieder Zeit für News. Das Medienhaus versendet täglich um diese Zeit einen Nachrichtenüberblick über WhatsApp, Facebook Messenger und Telegram. Um die Mittagszeit folgen dann die Web- und Games-News, am Abend die TV- und Medien-News. „Und Hot-News, wann immer sie passieren“, ergänzt Lisa Hanzl, Social-Media- und Community-Managerin bei derstandard.at. Im November 2014 ist man mit WhatsApp gestartet, seit Juni dieses Jahres wird auch der Facebook Messenger und Telegram genutzt. Es sei vor allem der intensive Austausch, der die Nachrichtenredaktion veranlasst habe, die unterschiedlichsten Messaging-Dienste zur News-Distribution zu nutzen. „Für die Kommunikation sind zwei Personen zuständig. Wir erhalten täglich rund 50 bis 100 Nachrichten und beantworten jede einzelne“, sagt Hanzl. Der Versand der Nachrichten erfolgt in Kooperation mit WhatsBroadcast. Und dann wäre da noch Snapchat – diesen Kanal hat derstandard.at ebenfalls im Juni diesen Jahres gestartet. Hier werden Backstage-Eindrücke aus der Redaktion sowie Teaser für wichtige Geschichten und vereinzelt Liveeindrücke von Redakteuren bei wichtigen Events geposted. „Das Feedback der User ist äußerst positiv, ganz besonders auf WhatsApp. Viel Feedback gab es auch bei Snapchat, da wir in Österreich das erste große Medium auf diesem Kanal waren“, erzählt Hanzl. Neben derstandard.at sind auch Vice, FM4 und vol.at auf Snapchat präsent.

Videoformat per Push-Nachricht

Der ORF setzt seit Juni diesen Jahres auf WhatsApp, um die „ZIB 100“ zu distribuieren. Das 100 Sekunden lange und untertitelte Nachrichtenformat kommt dabei nach der Ausstrahlung auf ORF III per Push-Nachricht. Bereits am ersten Tag haben sich 15.000 Abonnenten angemeldet, mittlerweile sind es 28.500. „Das übertrifft unsere Erwartungen bei weitem – wir haben gedacht, wenn es gut läuft, werden es vielleicht einmal 10.000 Abonnenten. Mit 28.500 dürfte die ‚ZIB 100‘ jedenfalls einer der größten WhatsApp-Services für Nachrichten in Österreich sein“, sagt Patrick Swanson, Leiter des Social-Media-Teams der ZIB. Die Öffnungsrate der WhatsApp-Nachrichten würde zwischen 80 und 90 Prozent liegen. Der größte Vorteil sei laut Swanson die direkte Kommunikation mit den Abonnenten. „Wir versuchen wirklich jede Nachricht zu beantworten. Ich bin nämlich überzeugt: Jeder User, der von uns eine Antwort bekommt – und wenn es nur ein Daumen nach oben ist – schaut sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch die nächste ‚ZIB 100‘ an“, sagt Swanson. Was ihm noch positiv auffällt, ist, dass „der Diskurs auf WhatsApp wesentlich sachlicher und konstruktiver ist, als das manchmal auf anderen Plattformen der Fall ist“. Auch direktes Feedback zur Sendung werde ernst genommen: So seien auch schon kleine Änderungen an der Sendung aufgrund von Feedback implementiert worden. Kooperiert wird mit ATMS, einem Spezialisten für Kundendialoglösungen – das Tool nennt sich „WhatsATool“ und macht die Kundenkommunikation per WhatsApp möglich.

Unterhaltung über WhatsApp

Die Kronen Zeitung nutzt WhatsApp, um täglich um die Mittagszeit News auszusenden. Unterhaltung stehe hier im Vordergrund, es gehe nicht darum, einen vollständigen Nachrichtenüberblick zu liefern. Das Medienunternehmen ist seit 2015 auf WhatsApp und hat eigenen Angaben zufolge mittlerweile eine „hohe vierstellige Abonnentenzahl“. Durchschnittlich klicken 15 Prozent auf die über WhatsApp versendeten Links. Und wie viel Traffic kann über den Dienst generiert werden? „In absoluten Zahlen liegt der Dienst hinter Facebook, kann aber mit Twitter ganz gut mithalten“, sagt Paul Tikal, Leiter der Social Media Unit des Krone-Verlags. Die Kommunikation mit den Abonnenten würde diese in Staunen versetzen. „Kaum einer glaubt, dass auf WhatsApp Menschen auf ihre Fragen antworten und nicht irgendein Bot“, sagt Tikal. Der Versand der Nachrichten erfolgt – wie bei derstandard.at – in Kooperation mit WhatsBroadcast. Neben WhatsApp wolle man News künftig auch über andere Dienste distribuieren. Aktuell experimentiert wird mit Chatbots für den Facebook Messenger und auch Snapchat habe man im Auge, weil „dieser Kanal natürlich auch interessant ist, gerade um unsere Entwicklungen im Bewegtbildbereich zu unterstützen“, sagt Michael Eder, Geschäftsführung Krone Multimedia.

Horizontale LinieFoto: Fotolia / Kaspars Grinvalds
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