Nachhaltigkeit: Unternehmen orten Aufholbedarf

Die meisten Unternehmen können sich unter Nachhaltigkeit nicht viel vorstellen. Dabei umfasst der Begriff zahlreiche für das Geschäft sehr relevante Themen.

Erschienen in HORIZONT 29-30/16

Bericht über Nachhaltigkeit bald Pflicht

Ab 2017 sind heimische Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern auf Basis einer EU-Richtlinie dazu verpflichtet, über die sozialen, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit öffentlich zu berichten. Mittelbar sind von dieser Vorschrift auch Klein-und Mittelbetriebe betroffen, da die großen Betriebe auch ihre Zulieferer auf Nachhaltigkeit durchleuchten müssen. „Der Gesetzesentwurf wird gerade vom Justizministerium erarbeitet und muss spätestens am 6. Dezember veröffentlicht werden“, informiert Daniela Knieling, Geschäftsführerin von respACT, der Unternehmensplattform zu Corporate Social Responsibility und nachhaltiger Entwicklung in Österreich. Mit der Nachweispflicht sollen die Unternehmen in den Auswirkungen ihres Tuns europaweit besser miteinander vergleichbar werden.

Für das in der Vorwoche gegründete „Zentrum für Nachhaltigkeit“ war die neue Richtlinie Anlass genug, eine Nachhaltigkeitsstudie in Auftrag zu geben und herauszufinden, wie es um das Thema in österreichischen Unternehmen bestellt ist.

Mehr als Umweltschutz

Obwohl das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde ist, ist nicht jedem klar, was damit genau gemeint ist. Nur acht Prozent gaben an, sich zum Thema sehr gut informiert zu fühlen, 39 Prozent ausreichend informiert und 53 Prozent hingegen fühlen sich zu wenig informiert. Bei der Frage, was Nachhaltigkeit bedeutet, bestätigte sich, dass der Begriff auch in Unternehmen in erster Linie mit Umweltschutz in Verbindung gebracht wird. Dass hierzulande Aufklärungsbedarf herrscht, wird auch dadurch deutlich, dass rund die Hälfte (52 Prozent) der Befragten davon ausgeht, Nachhaltigkeitsprojekte in Unternehmen würden zumeist nur der Imagepflege dienen. Anderen Bereichen, die davon profitieren würden, wird weniger Relevanz beigemessen. „Das ist auch der Grund, warum das Thema Nachhaltigkeit oft in der Abteilung ‚PR &Marketing‘ angesiedelt ist“, analysiert Michael Bauer-Leeb, Geschäftsführer Weitsicht -Büro für zukunftsfähige Wirtschaft.

Breiter Konsens herrscht jedenfalls darüber, dass Nachhaltigkeit bei Personalführung und -entwicklung Unternehmen langfristiger erfolgreicher macht -in diesem Punkt sind sich 86 Prozent einig. „Nachhaltig Führen ist vergleichbar mit Gartenarbeit. Ein guter Gärtner kennt seinen Garten, er schneidet zurecht, wählt aus, vermeidet Kahlschlag, setzt auf Diversität, hat Freude am Gestalten und fördert Wachstum. Eine gute Führungskraft arbeitet genau so“, sagt Elisabeth Forstreiter von forstreiter consulting. Aber nicht nur die Wahrnehmung von Mitarbeiterbedürfnissen, sondern auch von Kundenbedürfnissen sei für den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens wichtig. Jeder Zweite (49 Prozent) gibt an, dass Nachhaltigkeitsbestrebungen eines Unternehmens sie bei ihren Kaufentscheidungen und ihrem Sympathieempfinden beeinflussen würden. 37 Prozent wissen es nicht und nur 14 Prozent stimmen nicht zu.

Mehr Kommunikation nötig

In einem Punkt waren sich die Befragten besonders einig: Nachhaltigkeit findet in Unternehmen, in der Ausund Fortbildung und in der Politik zu wenig Beachtung. Aufholbedarf orten Unternehmen auch in ihren eigenen Kommunikationsaktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit: Die interviewten Personen mit Führungsverantwortung gaben an, hauptsächlich über persönliche Gespräche (39 Prozent), Homepage (28 Prozent) und Social Media (20 Prozent) zu kommunizieren. Letzten Endes wird „der Markt jene belohnen, die ihre Nachhaltigkeitsstrategie ganzheitlich managen und glaubwürdig kommunizieren“, ist der Vorsitzende des „Zentrum für Nachhaltigkeit“ Markus Bürger überzeugt.

Horizontale LinieFoto: Fotolia / tuk69tuk
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