Radio-Veteran mit Schaffensdrang

Rudi Klausnitzer feiert dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Im HORIZONT-Gespräch erzählt er, wer sein Lehrmeister war, wo er am liebsten sein Schnittlauchbrot mit weichem Ei isst und was er im Leben noch erreichen möchte.

Erschienen in HORIZONT 04/18

Feuerwehrmann, Straßenbahnschaffner oder Arzt – mindestens genauso vielseitig wie sich Rudi Klausnitzers Traumberufe in der Kindheit gestalteten, verlief dann auch seine spätere Karriere. Diese führte vom österreichischen Hitradio zum deutschen Privatfernsehen und von der Musical- und Theaterbühne ins Verlagswesen. Seine Liebe zu Medien entfachte früh – schon zu Schulzeiten war er Herausgeber einer Schülerzeitung und „auch sonst überall dabei, wo man statt Aufgaben machen interessante Projekte starten konnte“, wie er im Gespräch mit HORIZONT erzählt. Dem Klischee des Schulabbrechers, der Journalist wurde, entspricht er aber nicht. Im Gegenteil: Erst nach dem Studium der Politikwissenschaften und Publizistik an der Uni Salzburg startete er 1968 seine Karriere. Erste Sporen verdiente er sich im ORF-Landesstudio Oberösterreich, zunächst als freier Mitarbeiter, danach als Redakteur sowie Moderator diverser Unterhaltungsshows. Nur ein Jahr später folgte der Wechsel von Oberösterreich nach Wien ins Funkhaus.

Heute lebt Klausnitzer seit knapp fünf Jahrzehnten, unterbrochen von einem mehrjährigen Intermezzo beim deutschen Nachbarn, in Wien. Angesprochen auf seinen Lieblingsplatz in der Bundeshauptstadt meint er, dass es „überall wunderbare Plätze in dieser Stadt“ gebe, „ob am Naschmarkt oder am Donaukanal, die vielen Grätzl mit ihren kleinen Cafés, Restaurants und Geschäften in allen Bezirken“. Zum Frühstück ist Klausnitzer oft im Joma am Hohen Markt anzutreffen. „Da habe ich junge Atmosphäre mitten in der historischen Innenstadt und bekomme mein Schnittlauchbrot mit weichem Ei.“

Im Wiener Funkhaus war er damals Mitglied des Gründungsteams von Ö3. 1972 ereilte ihn dann der Ruf als persönlicher Referent des damaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. Ab 1976 hatte er die Leitung der Familienredaktion im Landesstudio Salzburg inne, 1979 wurde er zum Ö3-Chef bestellt. Von seinen Karrierestationen möchte er heute keine missen. Am meisten geprägt haben ihn rückblickend aber der ORF und Gerd Bacher. „Der ORF war die erste große Herausforderung und er ein faszinierender Lehrmeister.“

Intermezzo in Deutschland

Mitte der 1980er-Jahre kehrte Klausnitzer seiner Heimat den Rücken und ging nach Deutschland, wo er nach einer Beratertätigkeit für die Bertelsmann AG im Fernsehbereich beim Aufbau des Senders Radio Hamburg beteiligt war. 1987 wurde er Geschäftsführer und Programmdirektor von Sat.1 in Mainz, zwischen 1989 und 1993 war er dann beim Pay-TV-Sender Premiere (heute firmiert der Sender unter Sky, Anm.) tätig. Zurück in Österreich löste er 1993 Peter Weck als Intendant der Vereinigten Bühnen Wien ab. Neun Jahre später gab er seinen Rückzug bekannt und wechselte als Geschäftsführer zu News. Dort blieb er bis 2006.

Seit zehn Jahren ist Klausnitzer nun als selbstständiger Medienberater innerhalb der dmcgroup tätig. Seine Beratungsleistungen rund um Kommunikationsstrategien und digitale Transformation stellt er längst nicht nur Kunden aus dem Medienbereich, sondern auch Kunden aus der Wirtschaft zur Verfügung. „Im Hinblick auf die digitale Transformation sind wir in einer Umbruchphase, die gerade erst begonnen hat.“ Big Data und Social Media seien hier nur die Spitze des Eisberges, Künstliche Intelligenzen, Machine Learning und Technologien wie die Blockchain die wahren Herausforderungen. „Ich gehöre aber nicht zu denen, die das negativ sehen, ganz im Gegenteil“, beeilt er sich hinzuzufügen.

Kein Gedanke an Ruhestand

Klausnitzer ist einer, der seit jeher von unermüdlichem Schaffensdrang geprägt ist. Er konzipierte Sendungsformate wie den Ö3-Wecker, schrieb das Buch „Das Ende des Zufalls“, wo er einen Überblick zu „Big Data“ gibt und initiierte die Veranstaltung „The Near Future Summit“, wo jährlich Fachleute, Chefs von Medienhäusern, Industrie und Agenturen am Arlberg über Zukunftsthemen debattieren. Während seiner Zeit als Theaterintendant waren Eigenproduktionen wie „Tanz der Vampire“ oder „Mozart!“ von Erfolg gekrönt. Darüber hinaus zeigte er sich stets als kritische Stimme im Medien-und Kunstbetrieb. Vor wenigen Wochen wurde er mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet, bereits 2004 hat er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien erhalten.

Privat ist Klausnitzer mit der Journalistin Isabella Klausnitzer verheiratet und zweifacher Vater. Seine Tochter Fiona betreut den Weinbereich in den Figlmüller-Lokalen, sein Sohn Rafael studiert, hat bereits erste Praktika im Medienbereich gemacht und hegt Interesse an Musical und Theater. Seinen 70. Geburtstag feiert er im Kreise seiner Familie, die in wenigen Wochen mit seinem zweiten Enkelsohn ein weiteres Mitglied bekommt. Daran, sich in den Ruhezustand zu setzen, denkt er nicht. „Ich arbeite an einigen Projekten im digitalen Bereich, die durchaus langfristig angelegt sind. Also genug zu tun, und das ist sehr schön.“

ZUR PERSON

Seine journalistische Karriere begann der am 22. Jänner 1948 geborene Rudi Klausnitzer beim ORF. 1987 folgte die Programmdirektion von Sat.1, bevor er 1993 Intendant der Vereinigten Bühnen Wien wurde. 2001 wechselte Klausnitzer in die Geschäftsführung von News, seit 2007 ist er als selbstständiger Medienberater tätig.

Horizontale LinieFoto: privat
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