Institutsausschreibung: Das heiße Eisen

Rund ein Jahr nach den bekannt gewordenen Manipulationen durch die GfK hat das Verfahren rund um die Beauftragung eines neuen Instituts bereits begonnen. Was das Prozedere dazu betrifft, sind allerdings nicht alle glücklich.

Erschienen in HORIZONT 31/17

Es war ein Paukenschlag, der im Frühjahr vergangenen Jahres weit über die Radioszene hinaus Aufmerksamkeit erregte. Damals wurden Fehler bei der Erhebung und Berechnung der Radiodaten durch die GfK bekannt. Als die Manipulationen der Öffentlichkeit kommuniziert wurden, räumte die GfK den Sendern ein vorzeitiges Kündigungsrecht des Vertrages ein. Dieses Angebot habe man wahrgenommen: Die Auftraggeber des Radiotests – ORF/ORF-Enterprise, RMS und Kronehit – sind aus dem eigentlich bis 2018 laufenden Vertrag vorzeitig ausgestiegen. Das Verfahren rund um die Beauftragung eines neuen Instituts hat bereits begonnen. Was das Prozedere dazu betrifft, sind allerdings nicht alle glücklich.

Doch der Reihe nach: Die Bewerbungsphase ist nun vorüber, aktuell läuft die Sichtungsphase, im Herbst stehen die Hearings auf der Agenda. Welche Institute sich beworben haben, dazu halten sich die Auftraggeber naturgemäß bedeckt. Eine „hohe einstellige Zahl, die deutlich über der Bewerberzahl in der Vergangenheit liegt“, soll es laut Doris Ragetté, Head of Research & Communications bei der RMS, sein, von „etlichen Bewerbern“ spricht Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda. In der dritten Septemberwoche werden die Hearings stattfinden, in denen die geladenen Institute ihre Vorstellungen präsentieren können. An den Hearings teilnehmen werden der Vorstand Radiotest und die Revisionsgruppe Radiotest. „Gemeinsam mit den anderen Vertretern des Vorstands Radiotest wird dann nach fachlichen und ökonomischen Gesichtspunkten entschieden, wie viele Institute beauftragt werden“, informiert ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger. Bis spätestens Oktober soll dann die Entscheidung fallen.

Aufteilung auf mehrere Institute

Denkbar ist, mehrere Institute mit der Studie zu beauftragen, um beispielsweise die Erhebung von der Auswertung zu trennen. „Meines Erachtens wäre es sinnvoll, eine Aufteilung auf mehrere Institute zu haben“, sagt Swoboda. Im Raum stehe, zwei, maximal aber drei Institute zu beauftragen. „Auf fünf Institute aufzuteilen würde den Ablauf der Studie extrem verkomplizieren“, sagt Ragetté. Und wie stellt sich das der ORF im Idealfall vor? „Es geht hier nicht um eine Wunschvorstellung, sondern um die bestmögliche Lösung für die Gattung Radio“, sagt Eigensperger.

Das könnte die Kosten, diese liegen derzeit knapp unter einer Million Euro per anno, steigern – muss es aber nicht zwingend. „Allein die Aufteilung des gegebenen Leistungsumfanges auf mehr als ein Institut muss meines Erachtens keine Kostensteigerung bringen“, so Swoboda. Der Kronehit-Geschäftsführer räumt aber auch ein, dass „es schon sein mag, dass es vielleicht ein bisschen mehr ist“. Da es allerdings noch keine Entscheidung gebe, wie viele Institute letztendlich beauftragt werden, sei jede Zahl „reine Spekulation“, so Eigensperger.

Kritik zum Prozedere

Der Vorstand Radiotest besteht in Summe aus 17 Stimmen – zwölf Stimmen davon hat der ORF, fünf haben die Privatsender. Für jedwede Änderung, Beschlussfassung und Durchsetzung sind 13 Stimmen nötig. Weil der ORF den größten Teil der Kosten des Radiotests trägt – so die Begründung – hat dieser auch das Gros an Stimmrechten.

Daran übt nun Matthias Kamp, Gründer des Wiener Radios Superfly, Kritik. Weil es für eine Beschlussfassung eine Zweidrittelmehrheit brauche, könne sich der ORF „rein theoretisch immer durchsetzen und wenn ein Vertreter der Privatsender dagegen stimmt, hätte das nur kosmetische Auswirkungen. Ganz nach dem Motto ‚Wer zahlt, schafft an'“, wie Kamp meint. Er plädiert dafür, dass jeder einzelne Radiosender ein Stimmrecht bei der Neuvergabe des Auftrags haben solle und sich die Beschlussfassung von der Zweidrittelmehrheit zu einer „qualifizierten Mehrheit“ verändere. Und wenn dies nicht möglich sei, dann wäre für ihn wünschenswert, an den Hearings in beratender Funktion teilzunehmen. „Das würde sich schon allein aufgrund der Erfahrungen und Erkenntnisse, die wir in unserem laufenden Verfahren gegen die GfK gemacht haben, anbieten.“ Im Rahmen dieses Verfahrens sei man dabei, „wesentlich weitreichendere Manipulationen“ zu beweisen. Auch manch anderer Privatsender teilt auf HORIZONT-Nachfrage Kamps Kritik und Ideen, wollte sich aber öffentlich nicht dazu äußern.

Radiotest-Auftraggeber kontern

Den Kritikpunkten halten RMS, ORF und Kronehit auf HORIZONT-Nachfrage entgegen: Der ORF alleine ohne mindestens einer Stimme der Privatsender kann auch jetzt schon keine Entscheidungen treffen, sagt etwa Ragetté. Und Radiodirektorin Eigensperger hält fest: „Es handelt sich um eine Fehlinformation, dass der ORF anschafft. Alle Entscheidungen werden im Vorstand Radiotest gemeinsam getroffen. Das war bisher so und wird auch so bleiben.“

Was das Stimmrecht und die Zwei-Drittel-Mehrheitsbeschlussfassung betrifft, zeigt sich Swoboda kritisch: „Es ist unmöglich, so eine Geschichte mit 40 oder 50 Leuten zu machen. Wozu auch?“ Dazu habe man ja Leute im Vorstand Radiotest, die die Interessen der Privatsender vertreten, meint er. Sollte sich ein Privatsender nicht gut vertreten fühlen, so Ragetté, so könne er das innerhalb der Privatsender einbringen und andere Personen vorschlagen. Beratende Funktion habe etwa die Revisionsgruppe Radiotest, die aus vier Marktforschern besteht. Diese sei zudem paritätisch besetzt – das bedeutet, Teil dieser sind zwei Vertreter des ORF und zwei Vertreter der Privatsender.

Die Frage, ob die Privatsender dazu bereit wären, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, um damit auch einen legitimen Anspruch auf ein ausgewogenes Stimmrecht zu haben, und wie der ORF dazu stehen würde, konnte bis Redaktionsschluss nicht gänzlich eruiert werden. HORIZONT hält Sie auf dem Laufenden.

Horizontale LinieFoto: Fotolia / brat82
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