Rot-weiß-rote Underdogs

Zahlreiche heimische Start-ups sind der breiten Öffentlichkeit zwar kaum bekannt, agieren aber abseits des Rampenlichts höchst erfolgreich. HORIZONT holt neun dieser Erfolgsgeschichten vor den Vorhang.

Erschienen in HORIZONT 24/16

Rot-weiß-rote Underdogs

Es gibt sie: jene Start-ups, die zwar keine Werbung machen, nicht in TV-Shows vorkommen und selten auf einschlägigen Veranstaltungen präsent sind, und dennoch mit ihrer Dienstleistung oder ihrem Produkt Erfolg haben. Ihnen wird schnell der Stempel „Hidden Champion“ aufgedrückt. Auch Österreich kann mit mehreren solcher nahezu gänzlich unbekannten Erfolgsgeschichten aufwarten.

App Radar

Das Grazer Start-up appers.co hat sich mit seinem Produkt App Radar auf App Store Optimization (ASO) spezialisiert. Derzeit würden rund 500 Unternehmen das von Thomas Kriebernegg gegründete Online-Tool verwenden – und da finden sich mit der Dating-App Tinder, dem deutschen Online-Riesen Zalando, der chinesischen Chat-App QQ, Fox News oder Dailymotion einige spannende Namen auf der Liste, die je nach Leistungsumfang zwischen 25 und 5.000 Euro pro Monat zahlen. Damit können sie in Bezug auf die eigene App herausfinden, welche Keywords mehr Downloads bringen. Die Daten werden derzeit selbst erhoben, sollen in Zukunft aber noch mit zugekauften Daten angereichert werden.

High Five

Das Wiener Start-up High Five betreibt mit iamstudent.at, iamgreen.at und iamfemme.at mittlerweile drei Gutschein-Portale, auf denen Werber zielgruppengerecht Coupons für Produkte und Dienstleistungen platzieren können. Kürzlich expandierte das Start-up auch nach Deutschland und ist dort mit iamstudent.de an den Start gegangen. Das Prinzip funktioniert denkbar einfach: Studierende, die eine gültige Matrikelnummer angeben, bekommen auf den Gutschein-Portalen Zugriff auf verschiedene Sonderangebote. Aktuell zählt High Five insgesamt rund 100.000 registrierte Nutzer; der Umsatz liegt eigenen Angaben zufolge im mittleren sechsstelligen Bereich.

bissanzeiger

Das Linzer Start-up bissanzeiger fungiert als Vermittlungs-Plattform zwischen Hobbyfischern und Revierbesitzern. Die Sportangler können auf der Website Onlineangelkarten von Gewässern in Österreich und Deutschland finden und auch gleich Tages- oder Jahreslizenzen kaufen, das vollelektronische Service „bissadmin“ hilft den Verkäufern, den Verwaltungsaufwand zu minimieren. Den beiden oberösterreichischen Gründern Wolfgang Lang und Michael Plöckinger zufolge werden aktuell rund 30.000 monatliche Nutzer gezählt, im Angebot finden sich Daten zu rund 10.000 Gewässern.

iTranslate

iTranslate ist eine App des Grazer Start-ups Sonico Mobile, das von Alexander Marktl, Gunther Marktl, Richard Marktl und Andreas Dolinsek gegründet wurde. Die App übersetzt kurz ins Mikrofon der Uhr gesprochene Sätze in über 90 verschiedene Sprachen und erkennt anhand der Zeitzone, in welchem Land sich der Träger gerade aufhält und liefert ihm Phrasen aufs Display, die er brauchen könnte. Derzeit hat das Start-up fünf Millionen monatlich aktive Nutzer und einen siebenstelligen Umsatz pro Jahr. Die App spielt in der Gratisversion zwar Werbung, doch 90 Prozent der Umsätze würden über den Verkauf der Premium-App, die neben Werbefreiheit zusätzliche Funktionen bietet, kommen. 60 Prozent der Nutzer stammen aus den USA; mit China und der dort immer stärkeren Apple-Präsenz soll ein neuer Markt erschlossen werden.

LingoHub

Das Linzer Start-up LingoHub hilft Kunden dabei, ihre digitalen Produkte und Services schnell und einfach in bis zu 30 Sprachen zu übersetzen. Der Webdienst der drei Gesellschafter Helmut Juskewycz, Markus Merzinger und Christian Danner dient als Cloudplattform, über die Auftraggeber und Übersetzer zusammenkommen. Lebara, Swisscom, Josko, epunkt, Runtastic und das Men’s Health Magazin stehen auf der Kundenliste, außerdem setzen auch österreichische Startups wie Tractive, Usersnap oder Whatchado oder große Sportartikelund Getränkehersteller aus dem Inund Ausland auf den Service.

Storyclash

Das Start-up Storyclash hat sich auf die Analyse von insbesondere Facebook spezialisiert und veröffentlicht monatlich die Social News Charts. Das Monitoring-Tool „Storyclash Insights“, mit dem Medientrends in der Verbreitung von News auf Facebook sowie die Artikel der Konkurrenz analysieren können, ist unter anderem in den Redaktionen der Süddeutschen Zeitung, der Krone, des Kurier, bei oe24.at, Vice Austria und Russmedia im Einsatz. War man bisher ohne Investor an Bord, hat man sich im Mai eine ganze Riege bekannter Geldgeber an Bord geholt: Dazu zählen die Runtastic-Gründer, der Wiener Risikokapitalgeber Speedinvest sowie Michael Grabner Media, die zusammen 400.000 Euro in Storyclash investiert haben.

TourRadar

Reisen für Gruppen mit zehn oder mehr Personen buchen? Weil das auf herkömmlichen Buchungsportalen schwierig zu bewerkstelligen ist, schafft das vom australischen Brüderpaar Travis und Shawn Pittman in Wien angesiedelte Start-up Tour-Radar Abhilfe. Vor wenigen Wochen haben sie dafür auch ordentlich Geld bekommen: Eine Reihe von Risikokapitalgebern stecken insgesamt sechs Millionen US-Dollar (circa 5,3 Millionen Euro) in die 2010 gegründete Firma. Aktuell bietet TourRadar als Vermittlungsplattform Reisen zu rund 200 Zielen an und arbeitet dafür mit rund 500 Reiseveranstaltern zusammen.

Usersnap

Microsoft, Facebook, Google, Netflix, Runtastic, Erste Bank, Fast Company, der Springer-Verlag: Die Kundenliste des 2013 gegründeten Linzer Start-ups Usersnap kann sich sehen lassen. Mittlerweile zahlen rund 1.000 Firmenkunden eine monatliche Gebühr ab 20 US-Dollar, um das von Florian Dorfbauer gemeinsam mit Josef Trauner gegründete Online Tool zum visuellen Bug-Tracking und Kundenservice auf Webseiten einzusetzen. Das Programm ermöglicht, mit Kollegen, Kunden oder Websitebesuchern visuell zu kommunizieren. Das soll den Anwendern ersparen, in komplizierten Worten erläutern zu müssen, wo es ein Problem auf einer Website gibt – und damit für eine klarere Kommunikation sorgen.

ViewAR

Das Thema Augmented Reality (AR) steht im Fokus des von Markus Meixner gegründeten Start-ups ViewAR. Das Unternehmen hat für den Kunden Bang & Olufsen, einen dänischen Hersteller für Unterhaltungselektronik, die BeoHome Design App entwickelt, die dazu dient, um auf einem iPad virtuelle Objekte in ein echtes Bild eines Zimmers einblenden zu können. B&O-Kunden sollen so simulieren können, wie etwa ein Flat-TV des Herstellers in ihrem eigenen Wohnzimmer aussehen würde. Das Unternehmen mit Sitz in Wien wurde auf der Augmented World Expo (AWE) in Santa Clara im Silicon Valley mit einem „Auggie Award“ für die beste AR-App 2016 ausgezeichnet.

Horizontale LinieFoto: Fotolia / Steve Lovegrove
Hier kommen Sie zur Printversion des Artikels.