Rubina Möhring im Porträt

Am 3. Mai ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Eine, die sich seit Jahren unermüdlich dafür einsetzt, ist Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Erschienen in HORIZONT 17/17

Wir schreiben das Jahr 2001. Es ist die Zeit der schwarz-blauen Regierung in Österreich. Rubina Möhring ist ORF-Redakteurin bei der „Zeit im Bild“. Für eine Mittags-„ZiB“ hatte sie einen Beitrag über die Klage von Ariel Muzicant gegen Jörg Haider vorbereitet, der auch in der Abend-„ZiB“ gespielt werden hätte sollen. Der Kärntner Landeshautpmann hatte den damaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde bei einer seiner Aschermittwochs-Reden attackiert. Nach der Ausstrahlung in der Mittags-„ZiB“ erfuhr sie, dass der Beitrag nicht mehr für die Abend-„ZiB“ vorgesehen war. Sie vermutete, dass hier von Seiten der Politik interveniert worden war. Nur wenige Wochen danach wurde sie in die Wissenschaftsredaktion versetzt. Ihre langjährige Karriere beim ORF war von Hochs und Tiefs gezeichnet, entmutigen ließ sie sich dadurch nie.

Rubina Möhring wurde am 10. März 1950 in Berlin geboren. Nach der Matura formte sich ihr Wunsch, Journalistin zu werden. 1968 kam sie nach Wien, wo sie unter anderem an der Universität Wien Geschichte studierte und 1978 als Historikerin promovierte. Im Sommer 1970 – bereits während ihres Studiums -bekam sie über eine Freundin der Familie die Möglichkeit, bei der Tageszeitung Die Presse zu arbeiten. „Das war eine sehr gute Schule. Dort habe ich nicht nur stilistisch viel gelernt, sondern auch zu recherchieren.“ Angefangen hat sie im Lokalteil, danach hat sie Sozialberichterstattung gemacht, bevor sie in die Außenpolitik gewandert ist. Insgesamt blieb sie zwei Jahre. „Ich bin von der Presse weg, weil ich das Gefühl hatte, dass es weltanschaulich kleine Unterschiede gab.“ Die Presse galt unter dem damaligen Chefredakteur Otto Schulmeister als sehr konservativ. Als Kind wollte sie Seiltänzerin werden, auch Regie, Schauspiel und Theater zählten zu ihren Leidenschaften. Schlussendlich hat sie sich doch für den Journalismus entschieden.

Kinder und Karriere

„Mein Berufsziel war es immer, beim Fernsehen zu arbeiten und Fernsehdokumentationen zu machen.“ Nach ihrer Zeit bei der Presse beendete sie ihr Studium und bekam danach 1976 die Chance, beim ORF anzufangen. Dort arbeitete sie viele Jahre lang in verschiedenen Funktionen. Sie war Gründungsmitglied des „Club 2“, Redakteurin des „Auslandsreport“ und der „Zeit im Bild 2“, war Chefin vom Dienst der „Zeit im Bild“, Sonderkorrespondentin für Griechenland und die Türkei. Als die damals 32-Jährige mit ihrem Sohn schwanger war, kam dies nicht bei allen im ORF gut an. „Jetzt darfst du schon politische Redakteurin sein und wirst auch noch auf Kosten des Hauses schwanger. Das wirst du zu spüren bekommen“, meinte ein Kollege, mit dem sie sich das Büro teilte. Später bekam sie noch ein zweites Kind, eine Tochter.

Auf Kinder verzichten wollte sie neben ihrer beruflichen Karriere nie. Ihre Ehe mit Kuno Knöbl, dem ehemaligen ORF-Journalisten und Erfinder des „Club 2“, der unter anderem auch an der Entstehung der „Zeit im Bild 2“ maßgeblich beteiligt war, ging in die Brüche. Ihre beiden Kinder hat sie alleine großgezogen. Um Kinder und Karriere unter einen Hut zu bekommen, musste sie allerdings Abstriche machen. „Am Abend und am Wochenende bin ich damals sehr wenig ausgegangen, für Freizeitaktivitäten war kaum Zeit. Heute frage ich mich, wie ich das alles geschafft habe.“ Sie selbst ist in einer Patchwork-Familie aufgewachsen. Wien ist mittlerweile zu ihrer Heimat geworden, sie machte aber auch in Cambridge, Freiburg, Genf und Istanbul Station. „Ich war in meinem Leben sehr viel unterwegs und da wird man unabhängig von dem Stück Boden, auf dem man gerade steht. Für mich sind Menschen Heimat und die können überall sein.“

Ehrenamtliches Engagement

Die Rechte der Frauen und Gleichberechtigung in der Arbeitswelt begleiteten sie ihre gesamte berufliche Laufbahn beim ORF. Dort initiierte sie den ersten ORF-Ausschuss für Frauenfragen und setzte die Eröffnung eines Betriebskindergartens im ORF-Zentrum durch. Der damalige Vorsitzende des Betriebsrates hatte ihr die Leitung des Frauenausschusses angeboten und damit gleichzeitig die Aufgabe aufgetragen, die Forderung nach einem Betriebskindergarten umzusetzen. „Der Betriebskindergarten wurde schon seit Jahrzehnten versucht, zu installieren. Mit dieser Aufgabe, die scheinbar nicht zu erfüllen war, wollte er mich kaltstellen. Eineinhalb Jahre später hatten wir den Kindergarten.“ Darüber hinaus ließ sie vergleichende Statistiken über Gehälter und Karrieren von Frauen und Männern im ORF erheben und begründete mit ihnen die Forderung nach einer Frauenquote von mindestens 30 Prozent in Führungspositionen.

Ihr Engagement hinterließ Eindruck und strahlte weit über den Küniglberg hinaus. Im Jahr 2001 -wenige Monate nach ihrer Versetzung in die Wissenschaftsredaktion -wurde ihr die Funktion als Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich angeboten. Das Angebot bekam sie von Franz C. Bauer, dem damaligen ROG-Präsidenten und Präsidenten der Journalistengewerkschaft. „Nachdem er von der Gewerkschaft wiedergewählt wurde, hatte er mich gefragt, ob ich die Funktion übernehmen möchte, weil das für ihn nicht mehr vereinbar war.“ Ihre Arbeit bei Reporter ohne Grenzen Österreich führte sowohl für den Verein als auch für sie zu ungeahnter Popularität. „Durch diese Tätigkeit bin ich populärer geworden, als durch meine ‚ZiB‘-Tätigkeit.“ So organisierte sie bereits in ihrem ersten Jahr als Präsidentin den „Press Freedom Award“, der seither jährlich an Journalisten aus Ost- und Südosteuropa vergeben wird. Dass sie sich für Pressefreiheit einsetzte, gefiel offenbar auch ihrem Arbeitgeber, denn 2004 stieg sie zur Repräsentantin des ORF für 3sat und Leiterin der Bereiche Kultur und Wissenschaft auf – und blieb dort bis zu ihrer Pensionierung 2010.

Für ihr Engagement wurde sie mit dem Karl-Renner-Preis, dem Concordia-Medienpreis und zuletzt mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Mittlerweile macht Rubina Möhring ihre Arbeit bei Reporter ohne Grenzen Österreich seit mehr als 15 Jahren. Den Posten so viele Jahre auszuüben war anfangs nicht geplant. In absehbarer Zeit wird sie diesen auch zurücklegen. „Ein bisschen werde ich es noch machen, aber nicht in alle Ewigkeit. Ich werde nicht jünger und nichts ist schlimmer, als eine komische Alte zu werden.“

ZUR PERSON

Rubina Möhring, geboren 1950 in Berlin, kam 1968 nach Wien. Sie schrieb für die Tageszeitung Die Presse, danach arbeitete sie von 1976 bis zu ihrer Pensionierung 2010 im ORF. Ab 2004 war sie verantwortlich für Kultur und Wissenschaft bei 3sat. Zudem ist sie seit 2001 Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. Im Vorjahr wurde sie mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Horizontale LinieFoto: privat
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