Was bleibt und was kommt: Die Jobs der Zukunft

Personen mit Affinität zu Zahlen und Technologien sowie kreative Geschichtenerzähler bringen jene Skills mit, die in den Branchenjobs von morgen gefragt sein werden.

Erschienen in HORIZONT 12/17

Die wichtigste Voraussetzung, um den Traumjob Wirklichkeit werden zu lassen, ist, dass es ihn in ein paar Jahren noch gibt. Was also studieren? Worauf sich konzentrieren? Und wo investieren? Vier Experten – Valerie Höllinger, Geschäftsführerin des BFI Wien, Barbara Posch, Direktorin der Werbe Akademie, Wolfgang Chmelir, Leiter der OÖ. Journalistenakademie und Helmut Kammerzelt, Leiter des Departments Medien und Wirtschaft sowie der Studiengänge für Media- und Kommunikationsberatung an der FH St.Pölten – erläutern, in welchen Bereichen der Branche sich neue Jobmöglichkeiten auftun, welche Fähig- und Fertigkeiten unabdingbar sein werden und welche Herausforderungen sich dadurch für Unternehmen ergeben.

Laut den Experten sind die Trends der Branche vielfältig und teilweise auch gegenläufig. „Einerseits wird das Thema Content Marketing weiter wachsen. Das trifft auch auf den verwandten Begriff Native Advertising zu. Auf der anderen Seite wird die Automatisierung – Stichwort Marketing Automation – kontinuierlich wichtiger werden. Neue Jobprofile werden auch im Bereich Big Data vorhanden sein“, sagt Helmut Kammerzelt. Ein wichtiger Skill der Zukunft wird also sein, Content für den aktuell besten Kanal aufzubereiten. „Neue Jobs wird es daher etwa in den Bereichen Onlineredaktion, Blogging, Social Media, Mobile Content geben – und das betrifft Medien genauso wie Kommunikationsabteilungen und Agenturen“, ist Wolfgang Chmelir überzeugt. Es wird aber auch notwendig sein, sich im Spannungsfeld Big Data bewegen zu können. Dementsprechend sieht Valerie Höllinger in den Bereichen Data Science, Content Marketing, Mobile Development, Social Media, Out-of-Home-Advertising, SEO und SEA viele neue Jobmöglichkeiten. Die sich ändernden Parameter in Sachen Kommunikation werden aber auch eine juristische Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld digitale Medien bedingen. „Ich glaube auch, dass es im Medien- und IT-Recht ganz neue Berufe – etwa Social-Networks-Anwälte – geben wird“, so Höllinger. Und auch visuelle Inhalte in den digitalen Medien gewinnen rasant an Bedeutung. „Für eine professionelle visuelle Kommunikation werden Mitarbeiter mit neuen Kompetenzen im Bereich des visuellen Storytellings gebraucht, dazu kommen Fähigkeiten im Umgang mit neuen Werkzeugen genauso wie neue rechtliche Rahmenbedingungen“, sagt Barbara Posch.

Programmier-Ninja erforderlich?

Allrounder oder Spezialist – wer hat die besseren Karten? „Gebraucht werden einerseits Personen mit hoher Affinität zu Zahlen und Technologien, andererseits kreative Geschichtenerzähler, die medienübergreifende Erlebniswelten für die Konsumenten schaffen“, bringt es Barbara Posch auf den Punkt. Diese Kompetenzen werden aber nur in seltenen Fällen in ein und derselben Person zu finden sein, daher wird die Fähigkeit zur Zusammenarbeit auch in Zeiten von Big Data eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Dass Soft Skills noch mehr an Bedeutung gewinnen werden, davon ist auch Höllinger überzeugt: „Vor allem Kompetenzen wie Kooperations- und Teamfähigkeit, disruptives Denken und der Umgang mit Diversität werden in einer vernetzten, globalisierten Wirtschaft immer wichtiger.“ Neben dem Marketing- und Kommunikations-Know-how werden auch die digitalen Kompetenzen in den Fokus rücken. „Es muss zwar nicht jeder zum Programmier-Ninja werden. Ich bin aber überzeugt, dass heutige Marketingmitarbeiter um 20 Prozent mehr verdienen, wenn sie auch Codingkompetenzen und somit ein Grundverständnis für die technischen Möglichkeiten, aber auch Fallstricke, mitbringen“, so Höllinger. In die gleiche Kerbe schlägt Kammerzelt. Vor allem bei den Kompetenzen werde es wichtig sein, sich eigenständig stetig weiterzuentwickeln und fundiert am Ball zu bleiben. „Die Begriffe Neugier und Offenheit spielen hier eine große Rolle. Dazu gehören dann auch analytische Kompetenzen, gepaart mit technischem Grundverständnis.“

Kampf um Fachkräfte

In die Wettbewerbsfähigkeit zu investieren, sollte also auch im Interesse der Unternehmen sein. „Der Fachkräfte-Pool – gerade Menschen mit IT-Kompetenzen – ist noch überschaubar und alle Unternehmen fischen darin. Wer hier nicht den Kürzeren ziehen möchte, sollte seine eigenen Mitarbeiter weiterentwickeln“, sagt Höllinger. Laut Chmelir würden „zwei Kulturen aufeinander treffen und die Integration der Digitalprofis ist nicht immer einfach für gestandene Strukturen“. Einerseits müssten Unternehmen analytisch an neue Themen herangehen, andererseits „sich dennoch etwas trauen“, sagt Kammerzelt. Stichwort: lebenslanges Lernen. Dies wird „angesichts der rasanten Weiterentwicklung von Märkten, Medien und Daten Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg von Unternehmen und deren Mitarbeitern“, so Posch.

Horizontale LinieFoto: ribkhan / Adobe Stock
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