Welttag des Buches: Das Geschäft mit den Büchern

Ein Blick auf den Buchmarkt zeigt: Die Umsätze steigen. Für einige Medienhäuser ist der Verkauf von Büchern wichtiger Bestandteil geworden.

Erschienen in HORIZONT 16/17

Vor 22 Jahren hat die Unesco den 23. April zum Welttag des Buches und des Urheberrechts ausgerufen. Weltweit beteiligen sich Jahr für Jahr neben Buchhandlungen auch zahlreiche Verlage mit eigenen Aktionen daran. Und nicht nur das: Auch immer mehr Medienhäuser verlegen Bücher oder arbeiten im Zuge von Buchprojekten mit Verlagen zusammen. Dies scheint mittlerweile zum lukrativen Geschäftszweig geworden zu sein. Genauso wie das Geschäft mit den E-Books, das zunehmend im Steigen begriffen ist. Und auch Urheberrechtsagenden rücken an diesem Tag wieder verstärkt in den Fokus.

Im Jahr 2014 betrug der erwirtschaftete Umsatz mit Büchern in Österreich rund 754 Millionen Euro, bis zum Jahr 2018 soll dieser auf 803 Millionen Euro anwachsen. Das zeigt eine PwC-Statistik zum Umsatz in der Medien- und Unterhaltungsbranche in Österreich nach Marktsegmenten. Laut dieser Statistik wird mit Büchern mehr Umsatz erwirtschaftet als etwa mit Musik, Filmen oder Videospielen. Da überrascht es nicht, dass das Verlegen von Büchern auch Medienhäusern zunehmend attraktiv erscheint.

Die Aktivitäten der Medienhäuser

Die Salzburger Nachrichten (SN) etwa arbeiten mit verschiedenen Verlagen, vorrangig aber mit Autoren aus dem eigenen Haus zusammen, um Bücher und Druckwerke zu realisieren. „Primär wollen wir unseren Abonnenten einen besonderen Service erweisen, indem wir ihnen Publikationen aus der Welt der SN anbieten. Meist mit einem besonderen Vorteil, wie zum Beispiel einer persönlichen Signatur, verbunden“, sagt Geschäftsführer Maximilian Dasch. Einen eigenen Buchverlag betreiben die SN nicht, die Anzahl der jährlich realisierten Projekte variiert je nach Aufkommen. Auf Kooperationen im Zuge von Buchprojekten mit Tiroler Buchverlagen setzt auch die Moser Holding, die selbst keine Bücher herausgibt.

Anders als die Kleine Zeitung, die im Rahmen der Kleine Zeitung Edition zahlreiche Bücher verlegt. Die Bücher der Kleine Zeitung Edition entspringen laut Konzern dem Wunsch, Inhalte der Tageszeitung zu bündeln und sie in Buchform weit über die tägliche Ausgabe hinaus nutzbar zu machen. Teil der Styria Media Group ist auch die Styria-Buchverlagsgruppe mit fünf Buchverlagen in Österreich.

Die Mediengruppe Österreich verlegt jährlich rund 150 Buchtitel, die thematisch auf vier Säulen bauen: Gesundheit, Food, Trends und Zeitgeschichte. „Das Verlegen von Büchern ist für uns zu einem wunderbaren, sehr zuverlässigen und planbarem Zusatzgeschäft geworden“, sagt CEO Oliver Voigt. Näher beziffern möchte Voigt dies nicht, spricht aber von einem „sehr lieb gewonnenen, substanziellen und gleichbleibenden Beitrag in der monatlichen Erlösrechnung“.

Umsatzentwicklung nach Genre

Spannend ist auch eine von GfK Entertainment publizierte Statistik, die die Umsatzentwicklung im österreichischen Buchmarkt in ausgewählten Sparten und Editionsformen im Jahr 2015 zeigt: Während der Umsatz in den Sparten Reisen (plus 4,7 Prozent), Naturwissenschaften/Medizin/Informatik/Technik (plus 3,6 Prozent), Sachbuch (plus 3,3 Prozent) und Hörbuch/Audiobook (plus 1,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahreszeitrum stieg, sank dieser in den Sparten Hardcover (minus 0,1 Prozent), Bellestrik (minus 1,6 Prozent), Ratgeber (minus 2,7 Prozent), Kinder- und Jugendbücher (minus 3,6 Prozent), Taschenbuch (minus 4,8 Prozent) sowie Geisteswissenschaften/Kunst/Musik (minus 7,5 Prozent). Eine von meinungsraum.at erhobene Umfrage gibt zudem Auskunft zum Kaufort von Büchern im Jahr 2015: 35 Prozent der Befragten gaben an, ihre Bücher üblicherweise im Buchhandel zu kaufen, 32 Prozent tun dies im Internet. Ebenso 32 Prozent kaufen sowohl im Buchhandel als auch im Internet ein.

E-Books im Aufwind

Apropos Internet: Laut dem Digital Market Outlook (DMO) lagen die Umsätze im Markt für E-Books in Österreich im Jahr 2015 bei 36,35 Millionen und werden im Jahr 2021 auf 51,83 Millionen steigen. Das zeigt eine Prognose der Umsätze im Markt für E-Publishing in Österreich. E-Books werden laut der Prognose den Löwenanteil der Umsätze im Markt für E-Publishing in Österreich ausmachen (siehe Grafik). Konform dazu ist auch die Prognose zur Nutzerentwicklung im Markt für E-Publishing in Österreich. Laut dem DMO lag die Nutzerzahl im Markt für E-Books in Österreich im Jahr 2015 bei 800.000 Nutzern und wird bis zum Jahr 2021 auf 1,08 Millionen Nutzer anwachsen.

Brisantes Thema Urherberrecht

Anlässlich des Welttages rücken auch Urheberrechtsagenden verstärkt in den Fokus. Mit Spannung wurde etwa erwartet, wie der Oberste Gerichtshof in Sachen Amazon entscheiden wird, seit März steht fest: Amazon muss die Festplattenabgabe zahlen. Weiters befindet sich die Urheberrichtlinie bei der EU in Umsetzung: Erstmals werden dabei Vertragsrechte zwischen Autoren und Verwertern festgelegt, die auch hierzulande implementiert werden müssen. Und drittens sei die ins Wanken geratene Verlegerbeteiligung erwähnt, die Zuteilung der Gelder zwischen Autoren und Verlagen muss rückwirkend neu geregelt und zukünftig repariert werden. Betreffen werden all diese Entscheidungen nicht nur die Branchenteilnehmer, sondern letztendlich auch die Konsumenten.

WELTTAG DES BUCHES UND DES URHEBERRECHTS

Das Datum des 23. April selbst geht zurück auf den Georgstag und bezieht sich auf die katalanische Tradition, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Außerdem fallen das vermutete Geburts- sowie das Todesdatum von William Shakespeare, die Todestage von Miguel de Cervantes und des katalanischen Autors Josep Pla sowie der Geburtstag des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness auf dieses Datum. der 23. April ist besonders in Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, ein Kulturereignis mit Volksfestcharakter, bei dem Verkaufsstände auf den Straßen aufgebaut sowie Lese- und Bücherfeste organisiert werden.

Horizontale LinieFoto: George dolgikh / Adobe Stock
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