Wie Jugendliche Medien nutzen

Das Gehirn der sogenannten Digital Natives ist anders strukturiert als jenes der älteren Generationen. Das hat großen Einfluss auf die Art der Mediennutzung.

Erschienen in HORIZONT 38/16

Wie Jugendliche Medien nutzen

Junge Menschen von heute waren bereits von ihrer Geburt an mit digitalen Medien konfrontiert. Das ist – geht es nach einer These von Jugendkulturforscher Bernhard Heinzlmaier – auch der Grund, warum die Wahrnehmungsfähigkeit von jungen Menschen durch den Einfluss der digitalen Medien stark modifiziert wurde. Doch welche konkreten Auswirkungen hat das auf das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen?

Die amerikanische Wissenschaftlerin Katherine Hayles konnte nachweisen, dass die Gehirne von jungen Menschen, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, anders strukturiert sind, als die der vorangehenden Generation. Das ist auch die Ursache dafür, dass es jungen Menschen deutlich schwerer fällt, zur sogenannten „Deep Attention“ zu kommen. „Deep Attention“ nennt man die Fähigkeit, sich lange auf eine einzige Tätigkeit oder ein einziges Medium konzentrieren zu können und dabei Reize, die von außen kommen, zu ignorieren. „Menschen, die im Modus der ‚Deep Attention‘ arbeiten, bevorzugen es, sich konzentriert mit nur einem Medium auseinanderzusetzen und können in relativ reizarmen Umgebungen Zeit verbringen, ohne sogleich das Gefühl der Langeweile zu verspüren“, erklärt Heinzlmaier. Im Gegensatz dazu steht der Wahrnehmungsmodus der „Hyper Attention“. Er ist charakterisiert durch das Bedürfnis, schnell zwischen verschiedenen Tätigkeiten und Aufgaben hin und her zu springen, bedarf einer aus verschiedenen Medienquellen kommenden, starken Stimulation und ist schnell gelangweilt, wenn die Dichte und Intensität der medialen Sinnesreizungen zu gering ist.

Bedürfnis nach Reizintensität

„Mediennutzer fordern eine Seherfahrung, die es ihnen ermöglicht, nahtlos verschiedene Screens zu schauen“, erklärt auch Elisabeth Plattensteiner, Vorsitzende Forum Media Planung und Managing Director der Omnicom Media Group. Laut Heinzlmaier treffe das besonders auf junge Menschen zu, da deren Aufmerksamkeitsspane viel kürzer geworden sei. „Jugendliche können sich nicht mehr fokussieren und deswegen brauchen sie eine hohe Reizintensität und verwenden auch oft simultan mehrere Devices.“ Die Daten des Media Servers bestätigen diese Entwicklung anhand eines Beispiels: 27 Prozent der Österreicher surfen während des Fernsehens im Internet, bei den 14- bis 18-Jährigen sind es bereits 38 Prozent. Während laut Heinzlmaier Menschen früher nervös wurden, wenn sie mehrere Impulse gleichzeitig bekommen haben, würden sich junge Menschen an diesem Punkt erst beginnen wohlzufühlen. Doch welche Konsequenzen hat es, wenn mehrere Devices gleichzeitig genutzt werden? „Die Folge ist, dass man viele Informationen aufnimmt, aber nur wenige Informationen absorbiert“, so Heinzlmaier.

Erlebnisfaktor bestimmt Zeitgeist

Plattensteiner ist zudem davon überzeugt, dass Medien, mit denen Mediennutzer Erlebnisse teilen können, weiter auf den Vormarsch sein werden. „Auch die Personalisierung wird eine wichtige Rolle spielen. Ziel dieser Technologien ist es, zum einen ‚Erlebnisse‘ für den Konsumenten zu schaffen, die er mit anderen teilen kann, und zum anderen die Personalisierung von Content zu ermöglichen.“ Im Hinblick auf junge Menschen sieht Heinzlmaier diese Entwicklung kritisch und sagt abschließend: „Bei Jugendlichen haben wir es mit einer Existenzform zu tun, die ein Erlebnis an das andere reiht, aber nicht mehr versteht, diese Erlebnisse ins Leben zu integrieren und entsprechend zu interpretieren, die Dinge auszudeuten und ihnen einen Sinn zu geben.“

Horizontale LinieFoto: Fotolia / vitabello
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