willhaben launcht Webdienst für Gutscheine

Mit „willhaben Aktionen“ steigt das Unternehmen in das Gutscheingeschäft ein. Ein Geschäftsfeld, das jenem der Konzernschwester wogibtswas ähnlich ist.

Erschienen in HORIZONT 37/16

willhaben launcht Webdienst für Gutscheine

willhaben erweitert sein Geschäft um einen „Native Couponing Dienst“, wie es das Unternehmen nennt. Das heißt konkret: die Plattform steigt ins Gutscheingeschäft ein und bietet mit „willhaben Aktionen“ seit Kurzem auch Onlinegutscheine an. Dabei handelt es sich um ein Angebot, das direkt in die willhaben-App integriert ist. Die Funktionsweise ist schnell erklärt: Wie bei vergleichbaren Angeboten – etwa rublys oder Groupon – stehen Usern Gutscheine unterschiedlichster Marken zur Verfügung, die sie entweder im Onlineshop oder direkt am Point of Sale einlösen können.

Die Idee war, innerhalb der willhaben-App ein neues Angebot zu schaffen – mit rund 2,5 Millionen Downloads und einer Million User, die diese mehrfach in der Woche nutzen, sei das ein logischer Schritt, um die User auf kürzestem Weg mit dem Angebot in Verbindung zu bringen. Im Fokus von „willhaben Aktionen“ steht laut Jochen Schneeberger, Leiter der Digital-Advertising-Abteilung, dem User einen zusätzlichen Service innerhalb der willhaben App zu bieten. „Ein Zusatznutzen führt nämlich dazu, dass sich der User öfter in der App aufhält, was uns hilft, ihn besser anzusprechen, was wiederum positive Effekte auf unsere Werbepartner hat.“ Der nächste Schritt, um werbetreibende Unternehmen mit kaufaffinen Usern zusammenzuführen. Aufgrund der hohen Reichweite der willhaben-App stößt das Angebot auch auf reges Interesse am Werbemarkt.

Derzeit noch Testlauf

Da sich das inhouse programmierte Angebot diesen Monat noch in einer Art Testlauf befindet, sind aktuell rund 20 Werbepartner aus zehn Kategorien zu einem vergünstigten Tarif mit an Bord. Die Kategorien reichen von Möbel & Einrichtung über Elektronik, Auto & Motor, Essen & Trinken bis hin zur Bildung. Schneebergers Bilanz zur Monatsmitte fällt positiv aus. „Bereits zehn Tage nach dem Start hatten wir eine App-Aktualisierungsrate von 70 Prozent. Das heißt, 70 Prozent aller Android- und iOS-Nutzer haben bereits die Möglichkeit, mit ‚willhaben Aktionen‘ in Verbindung zu treten. Und die User nehmen das Angebot an und wahr.“ In den kommenden Monaten soll „willhaben Aktionen“ noch ausgebaut werden.

Das Preismodell für Werbepartner sieht folgendermaßen aus: Jeder Werbepartner kann maximal fünf verschiedene Gutscheine im Bundle erwerben. Verkauft wird zum Fixpreis und nicht nach der Anzahl der eingelösten Gutscheine, denn „wir können nicht für die Qualität der Gutscheine, für die Dauer der Gutscheingültigkeit, für die Abwicklung am Point of Sale oder für die Verfügbarkeit verantwortlich gemacht werden“, sagt Schneeberger. Wie viele Gutscheine tatsächlich eingelöst werden, trackt aktuell die Hälfte der Werbepartner. Elektronik, Auto & Motor sowie Essen & Trinken sind jene drei Kategorien, in denen Gutscheine besonders stark nachgefragt werden.

Konzernschwester als Konkurrent?

Das 2006 gegründete österreichische Kleinanzeigenportal gehört zu 50 Prozent der Styria Media Group und zu 50 Prozent dem norwegischen Medienkonzern Schibsted. Das ist insofern bemerkenswert, da die Styria auch das Aktionsportal „wogibtswas“ als Tochter betreibt. Über wogibtswas können sich User über aktuelle Aktionsangebote informieren und online durch Flugblätter blättern. Auf den ersten Blick liegt die Vermutung nahe, dass die beiden Konzernschwestern in direkter Konkurrenz zueinander stehen könnten. „Ich habe diese Frage schon öfter gehört und wir haben diese auch intern diskutiert“, erzählt Schneeberger – und erklärt den Unterschied: Während User mit „wogibtswas“ ihre Einkäufe gezielt planen würden, verstehe sich „willhaben Aktionen“ als Impulsgeber für Käufe. „Vielleicht sucht ein User gerade eine Mietwohnung. Das heißt aber noch lange nicht, dass er nicht gerne eine 1+1-Aktion im Lebensmittelhandel einlösen würde.“ Zudem werde „willhaben Aktionen“ nie das Kernbusiness des Unternehmens werden – dieses liege ganz wo anders. „Aber um allen Spekulationen den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wir sprechen direkt mit wogibtswas über unsere Vorhaben, legen klar, was wir tun und stimmen uns da auch in Zukunft ab.“ In Aussicht stellt Schneeberger auch, dass man in Zukunft eventuell sogar Synergien nutzen werde, denn „wenn daraus ein weiterer Vorteil für die User entsteht, dann werden wir das zweifelsfrei tun“.

Integration in Desktopversion

Jochen Schneeberger verantwortet bereits seit Ende 2012 die Vermarktungsabteilung des österreichischen Kleinanzeigenportals und ist ständig auf der Suche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten, um für die Werbewirtschaft als attraktiver Partner im Bereich digitaler Werbelösungen wahrgenommen zu werden. „willhaben Aktionen“ soll so eine Werbelösungen darstellen. Denn User seien mittlerweile gesättigt von 08/15-Werbung – damit meint Schneeberger vor allem Werbebotschaften, nach denen User nicht gesucht haben, die sie nicht brauchen würden und die großflächig über den Content gelegt werden. „Das sind Sünden aus der Vergangenheit, die wir tunlichst wieder sein lassen sollten“, so Schneeberger. Damit Werbebotschaften für brauchbar, wenigstens aber als nicht störend eingestuft werden, müssten diese „lustig verpackt, smart gemacht, gut präsentiert oder zumindest relevant sein“. Das sei nämlich das einzig „probate Mittel“ gegen Adblocker, die schleichend auch in Österreich auf mobilen Geräten Einzug halten.

Zukünftig gibt es auch die Überlegung, „willhaben Aktionen“ in die Desktopversion zu integrieren. „Mobile First“ würde jetzt allerdings im Vordergrund stehen. „Wir werden alle unsere Erkenntnisse und das Feedback, das wir von Werbepartnern bekommen, einfließen lassen und dann in die zweite Phase gehen. Diese wird es nämlich definitiv mit erweiterten Features und Ideen, die erst im Tun aufgetaucht sind, geben.“ Wann die zweite Phase starten wird, ist laut Schneeberger noch unklar.

Horizontale LinieFoto: willhaben
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