Zwei Stunden Schlaf sollen genügen

Jeder Mensch verbringt etwa ein Drittel seiner Lebenszeit schlafend im Bett. Ein bewusst umgestellter Schlafrhythmus soll es ermöglichen, mit nur zwei Stunden Schlaf täglich auszukommen. Georg Plaz (21) hat einen Selbstversuch gewagt und seine Erfahrungen in einem Blog festgehalten.

Erschienen in DURST 10/12

Zwei Stunden Schlaf sollen genügen

Ist die Zeit für Schlaf verlorene Zeit, die man sinnvoller nutzen könnte? Viele Studierende werden diese Frage – vor allem in der stressigen Lern- und Prüfungsphase zu Semesterschluss – bejahen. So wie Georg Plaz: Der 21-Jährige studiert Informatik und Philosophie an der Universität Wien und hat seine Ferien genutzt, um einen Selbstversuch zu starten. In seinem Onlinetagebuch berichtet er, wie er seinen Alltag als so genannter „polyphasischer Schläfer“ gemeistert hat. Das heißt: mehr oder weniger gemeistert hat. Nach einer rund 14-tägigen Eingewöhnungsphase soll es nach dieser Methode möglich sein, mit nur zwei Stunden Schlaf täglich auszukommen.

6 x 20 MINUTEN

„Polyphasischer Schlaf“ nennt sich ein künstlich umgestellter Schlafrhythmus, bei dem man mehrmals täglich für kürzere Zeiträume schläft. Jeweils zwanzig Minuten, sechs Mal am Tag, sollen möglich sein – und auch ausreichen. Beim polyphasischen Schlaf wird das Gehirn dazu gebracht, beim Einschlafen direkt in die so genannten REM-Phasen einzusteigen (siehe Infobox). Zu den bekanntesten polyphasischen Schläfern zählen Leonardo da Vinci und Thomas Alva Edison.

„Zu Beginn war es einfach pure Neugier, ob es überhaupt möglich ist, seinen Schlafrhythmus umzustellen“, erklärt Georg Plaz. Aber bald malte sich der Student aus, welche Möglichkeiten ihm mit einer Wachzeit von 22 Stunden am Tag offen stünden: „Ich habe mich immer geärgert, dass ich so viel schlafe. Da habe ich mir gedacht, dass es schon cool wäre, wenn man jeden Tag 22 Stunden hat, die man effektiv nutzen kann.“ In der Vorlaufzeit eröffnete der 21-Jährige seinen Blog „1000 Schäfchen“. Für das Experiment wählte er das „Uberman-System“, das härteste der vier möglichen Schlafmuster, um ein polyphasischer Schläfer zu werden. Dementsprechend teilte er den Tag in sechs Abschnitte ein, jeder von ihnen mit einer 20-minütigen Schlafphase.

„In den ersten Ferientagen klappte es nicht sofort mit dem Einschlafen und ich bin nur für ein paar Minuten in die REM-Phase gekommen.“ Schon nach wenigen Tagen klagte er über Symptome der Übermüdung: „Man ist ständig unkonzentriert, fühlt sich in einem Trunkenheitszustand, reagiert auf Situationen nicht adäquat und ist schlecht gelaunt“, erinnert sich Georg. Zu diesem Zeitpunkt schaffte er es bereits problemlos, innerhalb weniger Minuten einzuschlafen. Anstatt in die so genannte „REM-Phase“ zu gleiten, machte er aber andere – laut Georg für die Erholung unwichtige Schlafphasen – durch. Ohne die Ablenkung durch Freunde hatte er in den darauffolgenden Tagen große Probleme sich wach zu halten und musste Rückschläge in Form von „Überschlafen“ erleben: „Es gab Zeiten da habe ich den Wecker überhaupt nicht mehr gehört, obwohl er eine halbe Stunde lang geklingelt hat.“ Von seiner Müdigkeit versuchte er sich dadurch abzulenken, dass er sich mit Freunden traf oder Sport machte. Wenn er geistig fit genug war, programmierte er für sein Studium.

SCHWIERIGE ANWENDUNG

Am Ende der Ferien gab Georg auf. „Ich bin nie durch diese Eingewöhnungsphase durchgekommen und es ist sehr schwierig, dieses Schlafmodell auf den Alltag anzuwenden – immerhin musst du auf der Uni oder unterwegs passende Schlafplätze finden. Aber es gab Momente, an denen ich tatsächlich nach zwanzig Minuten aufgewacht bin“, meint Georg. „Ich fühlte mich ausgeschlafen, aber wirklich munter war ich nie.“

INFOKASTEN: DURCHPENNEN MIT REM

Das „Gegenmodell“ des „polyphasischen Schlafs“ heißt „monophasischer Schlaf“: Innerhalb einer achtstündigen Schlafzeit stellen sich in etwa zwei Stunden Tiefschlafzeit – die für die Erholung wichtigen REM-Phasen – ein. Die so genannten Phasen des „Rapid Eye Movement“ nehmen etwa ein Viertel der typischen Ruhezeit eines Erwachsenen ein, also 90 bis 120 Minuten pro Nacht. In dieser Schlafphase bewegen sich unsere Muskeln, Angst- oder Alpträume können auftreten, Erektionen oder Stimulation der Klitoris sind keine Seltenheit. Wenn wir während einer REM-Phase aufwachen, können wir uns an Einzelheiten des Traumes erinnern.

Horizontale LinieFoto: Valentin Ladstätter
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